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Diagnostik: Voruntersuchungen beim Spender

Wichtig!

Ein potentieller Spender muss in vier Schritten untersucht werden. Im ersten Schritt werden Blutgruppen- und Gewebeverträglichkeit getestet.

Ein Angehöriger, der eine Niere spenden möchte, muss sich einer Reihe von medizinischen Untersuchungen unterziehen. Diese Voruntersuchungen haben zum Ziel, das operationsbedingte Risiko für den Spender abzuschätzen und zusätzlich Langzeitschäden aufgrund der späteren Einnierigkeit auszuschließen. Durch eine allgemeine Gesundheitsuntersuchung und verschiedene Laboruntersuchungen sollen versteckte oder noch nicht bekannte Erkrankungen aufgedeckt werden. Diese Untersuchungen werden schrittweise durchgeführt. Finden sich bei einem möglichen Lebendnierenspender Gegenanzeigen (Kontraindikationen), so kommt eine Lebendspende nicht infrage.

1. Schritt: Verträglichkeit prüfen

Zunächst wird bei der Lebendspende die Blutgruppenverträglichkeit und Gewebeverträglichkeit zwischen Spender und Empfänger geprüft. Nur wenn beide - Spender und Empfänger - miteinander verträgliche Blutgruppen haben, kann eine Transplantation ohne erhöhtes Risiko stattfinden. Zwar ist es heute grundsätzlich auch möglich, blutgruppenunverträgliche Transplantationen durchzuführen, dies ist jedoch mit einem schlechteren Transplantatüberleben und einem insgesamt höheren Risiko verbunden. Daher kommt dieses Vorgehen für die Lebendspende nur in Ausnahmefällen in Betracht. Die Gewebeverträglichkeit zwischen Spender und Empfänger wird anhand des Crossmatch und anhand der Gewebetypisierung des HLA-Systems (HLA-Typisierung) untersucht. Ein negatives Crossmatch ist eine notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche und sichere Lebendspende.

2. Schritt: Weiterführende Untersuchungen

Wichtig!

Im zweiten Schritt werden durch ausführliche Untersuchungen Herz-, Lungen- und Nierenerkrankungen sowie Bluthochdruck ausgeschlossen.

Hierzu zählen:

  • Röntgenbild der Lunge
  • EKG und Belastungs-EKG
  • Lungenfunktion
  • 24-h-Blutdruckmessung
  • Ultraschalluntersuchung der Nieren (mit Duplexsonographie der Nierengefäße)
  • Spezielle Urinuntersuchungen (z.B. auf Eiweiß und andere wichtige Marker)
  • Nuklearmedizinische Untersuchung zur Messung der seitengetrennten Funktionsleistung der Nieren

Mit diesen Untersuchungen soll eine Herz- oder Lungenerkrankung ausgeschlossen werden. Mit einer über 24 Stunden anhaltenden Blutdruckmessung soll sichergestellt werden, dass der Spender nicht an einem versteckten Bluthochdruck leidet, der bislang unbemerkt blieb. Die Nieren selbst werden durch eine Ultraschalluntersuchung und eine genaue nuklearmedizinische Funktionsmessung näher untersucht. Eine Urinanalyse gibt Hinweise auf eine versteckte Nierenerkrankung. Schließlich wird die Durchblutung der Nieren mit einer Duplexsonographie dargestellt.

3. Schritt: Prüfkommission

Wichtig!

Im dritten Schritt überprüft eine Kommision den Antrag nach ethischen Gesichtspunkten. Im vierten Schritt wird entschieden, welche der beiden Nieren dem Spender entnommen wird.

Der nächste Schritt ist das Einreichen der Unterlagen bei einer prüfenden Kommission. Diese zuständige Kommission für die Lebendspende besteht in der Regel aus einem unbeteiligten Arzt, einem Juristen und einem Psychologen. Sie prüft gutachterlich, ob im konkreten Fall Anhaltspunkte für einen verbotenen Organhandel vorliegen. In einem solchen Fall wird die Lebendspende abgelehnt.

Stimmt das Prüfgremium einer Nierenlebendspende uneingeschränkt zu, kann die letzte noch ausstehende medizinische Untersuchung, die arterielle Angiographie durchgeführt werden. Diese Darstellung der Nierengefäße ist auch heute noch notwendig. Eine Kernspintomographie kann diese Untersuchung nur in einzelnen Fällen ersetzen. Besteht auch nach dieser Untersuchung kein Hindernis für eine Nierenspende, kann ein Termin für die Operation vereinbart werden.

4. Schritt: Auswahl der Spenderniere

Die Voruntersuchungen zeigen, ob bei der Funktionsmessung der beiden Nieren des Spenders Funktionsunterschiede bestehen. Ist eine leichte Seitendifferenz zwischen beiden Nieren erkennbar, so verbleibt im Grundsatz die "bessere" Niere beim Spender.

Hier finden Sie eine Übersicht über die notwendigen Untersuchungen:

Serologische und technische Untersuchungen
 
Laboruntersuchungen:
-Blutbild mit Differentialblutbild
-Gerinnungsstatus
-Blutzucker (nüchtern)
-Elektrolyte, Leberenzyme, alkalische Phosphatase, Bilirubin, Gesamtcholesterin, HDL- und LDL-Cholesterin, Triglyceride, Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure
-Proteinelektrophorese
-GFR, Harnstatus (Stix und Sediment), Proteinuriediagnostik
-Virologische Diagnostik: cmV, EBV, HCV (PCR); HbsAg, HIV
-Crossmatch-Untersuchung, HLA-Typisierung
-Blutgruppe
-Ggf. Glukosetoleranztest, Schwangerschaftstest, HbA1c, PSA
 
Technische Untersuchungen:
-EKG
-Abdomensonographie, Echokardiographie,
-Röntgenuntersuchung des Thorax, MR-Angiographie der Aorta mit Darstellung der Nierengefäße, Nierenszintigraphie
-Ggf. Gastrographie bzw. Koloskopie (bei entsprechender Anamnese oder Symptomatik, z.B. Tumorausschluss)
 
(Quelle: Der Nephrologe, Band 4, Heft 3, Mai 2009)