Die Idee der Lebendorganspende beschäftigt die Menschen seit der Antike.
Aber erst durch die rasanten medizinischen Fortschritte ab Mitte des 20. Jh. konnte diese Idee immer erfolgreicher umgesetzt werden.
Die Geschichte der Lebendorganspende reicht bis die Antike zurück. Schon damals wurde die Vorstellung des Menschen beschrieben, zum Zweck der Heilung ein altes oder geschädigtes Organ oder Körperteil gegen ein neues auszutauschen. Im 4. Jahrhundert vor Christus finden sich medizinische Darstellungen altchinesischer, griechischer und später arabischer sowie persischer Quellen über die Organverpflanzung.
Die moderne Geschichte der Nierentransplantation beginnt mit grundlegenden Forschungen über das Immunsystem und ersten Operationsversuchen am Tier. Die Etablierung der Operationstechniken der Nierentransplantation war eine notwendige Voraussetzung für eine Organtransplantation beim Menschen. Die Pionierzeit der Nierentransplantationsmedizin war in der Anfangsphase von Rückschlägen, Problemen und erfolglosen Versuchen geprägt. Erst in den fünfziger Jahren begann langsam die Erfolgsphase der Nierentransplantation durch die wachsende Anzahl wissenschaftlicher Erkenntnisse und die Erforschung neuer Medikamente zur Immunsuppression.
Diese ersten immunologischen Erkenntnisse wurden von Emmerich Ullmann (1861-1937) und dem dänischen Biologen C.O. Jensen (1864-1934) gewonnen. Grundlegend war auch die Entdeckung der Blutgruppen durch Karl Landsteiner (Wien) und dem damit verbundenen Konzept der Blutgruppenkompatibilität bei der Transplantation.
Einen großen Schritt nach vorn machte die Transplantationsforschung, als Mc Farlane Burnet und Peter B. Medawar (siehe Bild) die Mechanismen des Immunsystems aufklärten. Im Jahr 1960 erhielten sie für diese grundlegenden Forschungen den Nobelpreis für Medizin.
Jedoch erst im 19. Jahrhundert wurde die Möglichkeit der Organverpflanzung zunächst im Tierversuch erprobt. Zu diesem Zeitpunkt standen die Operationstechniken selbst im Fokus der Pionierforscher, denn es bestanden noch keine Kenntnisse über die Mechanismen der Abstoßung von körperfremden Organen. Über die erste erfolgreiche Nierentransplantation am Hund wurde von Ullmann am 7. März 1902 in einer Sitzung der Wiener Ärztegesellschaft berichtet.
Den ersten Transplantations- experimenten am Tier im
19. Jh. folgte der erste Transplantationsversuch beim Menschen im Jahr 1933,
der - wie alle anderen Versuche in den darauffolgenden Jahren - am Problem der Abstoßung scheiterte.
Im Jahr 1954 gelang es erstmalig, eine Lebendspende erfolgreich zu verpflanzen. Ein weiterer, großer Schritt nach vorn war die Entdeckung des HLA-Systems zwei Jahrzehnte später.
Ein erster Transplantationsversuch einer postmortalen Niere beim Menschen wurde 1933 durchgeführt. Der Ukrainer Y.Y.Voronoy (1896-1961) verpflanzte erstmalig eine postmortale Niere auf eine niereninsuffiziente Empfängerin. Dieser Versuch war eine ultima ratio - ein letzter Versuch, das Leben dieser Frau zu retten und scheiterte. Zu Beginn der fünfziger Jahre führte der französische Chirurg Renee Küss zusammen mit seinen beiden amerikanischen Kollegen John Merrill und Joseph Murray eine Serie von postmortalen Transplantationen durch. Auch diese scheiterten, da es nicht gelang die Abstoßungen zu beherrschen. Die damals erprobten Operationstechniken waren jedoch richtungsweisend und gelten zum Teil bis heute fort. Die heterotope Nierentransplantation in die Fossa iliaca (= Leistengrube) wird bis zum heutigen Tag als Operationsstandard eingesetzt.

Die erste erfolgreiche Lebendnierenspende fand am 23.12.1954 im Peter Bent Brigham Hospital in Boston (USA) statt. Dort wurde Richard Herrick eine Niere seines eineiigen Zwillingsbruders Ronald eingepflanzt.
Hartwell Harrison, John Merrill und Joseph E. Murray operierten in zwei benachbarten Operationssälen, um die Ischämiezeit (die Zeit der Niere außerhalb des Körpers) möglichst kurz zu halten. Richard Herrick lebte sieben Jahre mit dem Transplantat des Zwillingsbruders und verstarb an einem akuten Herzinfarkt. Der Erfolg dieser Operation war ein Meilenstein in der Transplantationsmedizin.
Im Jahr 1990 erhielt Murray (zusammen mit E. Donnall Thomas) für seinen Einsatz und seine richtungsweisenden Forschungen den Nobelpreis für Medizin.
Nach den Erfolgen der Pioniere konnte die Lebendspende durch die genetisch-immunologische Forschung weiterentwickelt werden. In den sechziger und beginnenden siebziger Jahren wurde das HLA-System des Menschen entdeckt und als wesentlicher Erfolgsfaktor für die Transplantation erkannt. Jean Dausset beschrieb als erster ein Leukozyten-Antigen, das später dem HLA-A2 Antigen zugeordnet werden konnte. Seit dieser Zeit wird die Gewebetypisierung von Spender und Empfänger routinemäßig in der Transplantationspraxis angewandt.
Die Entwicklung neuer Immunsuppresiva schritt ab Mitte des 20. Jh. unaufhaltsam voran.
Ohne die historische Entwicklung und Neuentdeckung von abwehrschwächenden Medikamenten (Immunsuppressiva) wären Fortschritte in der Transplantationsmedizin nicht denkbar. Robert S. Schwartz und William Dameshek gelten als Begründer der medikamentösen Immunsuppression. In der Zeitschrift "Nature" publizierten sie im Jahr 1958 erstmals über die Möglichkeit, die Abwehr des Körpers mit dem Medikament 6-Mercaptopurin zu unterdrücken. Mit 6-Mercaptopurin gelang es Murray wieder als erstem eine erfolgreiche postmortale Nierentransplantation durchzuführen. Vor dieser Zeit war Cortison das einzig bekannte Immunsuppressivum. Ein weiterer Meilenstein war schließlich die Weiterentwicklung von 6-Mercaptopurin zu dem bis heute eingesetzten Azathioprin.
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