Die Lebendspende ist ein ethischer Grenzfall, bei dem der Arzt besondere Verantwortung trägt. Er ist verpflichtet, die Beteiligten umfassend über die Risiken und möglichen Langzeitfolgen aufzuklären.
Die Aufklärung ist eine zentrale ärztliche Pflicht vor einer Lebendspende. Der Patient als Empfänger und der potentielle Spender müssen über die Vor- und Nachteile einer Lebendspende aufgeklärt werden. Die Aufklärung umfasst alle Risiken einer Lebendspende und die möglichen Langzeitfolgen einer solchen Operation bei Spender und Empfänger.
Es ist heute allgemeine Auffassung, daß bei der Behandlung des endgültigen Nierenversagens Dialyse und Transplantation einander ergänzen müssen.
Jeder Patient wird nach der Aufklärung über die Möglichkeiten und Risiken einer Nierentransplantation auf die Warteliste für ein Transplantat aufgenommen. Davon ausgenommen sind die Patienten, bei denen medizinische Gründe eine Transplantation verbieten
Während der Dialysebehandlung wird auf ein günstiges Transplantat gewartet und ein Angebot nur bei guten Voraussetzungen akzeptiert. Solche sind seitens des Patienten ein guter körperlicher Zustand und der Ausschluß von besonderen Risiken (z.B. Herzkrankheiten, aktive Hepatitis, nicht ausgeheilte Infekte u.ä.) und von seiten des angebotenen Organs eine gute Übereinstimmung mit dem Gewebetyp des Empfängers und gute Entnahmebedingungen.
Die medikamentöse Behandlung zur Unterdrückung der körpereigenen Immunabwehr nach der Transplantation verhindert, daß der Empfängerorganismus das fremde eingepflanzte Organ abstößt. Diese Behandlung hat dort ihre Grenzen, wo sie mit ihren Nebenwirkungen das Leben des Patienten gefährdet. In einem solchen Fall muß der Verlust des Transplantates in Kauf genommen werden. Bei einem Transplantatverlust durch eine (akute) nicht beherrschbare oder eine schleichende (chronische) Abstoßung wird die Dialysebehandlung fortgesetzt, ohne größere Einbuße im körperlichen Befinden im Vergleich zum Zustand vor der Transplantation. Bei erneuten günstigen Voraussetzungen wird eine weitere Transplantation angestrebt.
Durch diese Vorgehensweise läßt sich das Risiko des Todes an Komplikationen der Operation und der Immunsuppression auf ca. 1-2 % senken. Wie lange eine transplantierte Niere funktioniert, ist derzeit für den einzelnen Patient nicht vorauszusagen. 5 Jahre nach der Transplantation funktionieren etwa 75-80% der Nieren und nach 10 Jahren sind es ca. 50-60%. Von diesen Transplantatverlusten in den ersten 10 Jahren geht etwa die Hälfte durch das Versterben des Patienten (mit noch funktionierender Niere) verloren. Die meisten Todesfälle werden dabei durch Herzerkrankungen verursacht. Hierbei spielen Blutdruckeinstellung, Diabetes, Rauchen und eventuell erhöhtes Cholesterin und andere Stoffwechselfaktoren eine entscheidende Rolle. Eine gesunde Lebensweise, bei Bedarf ergänzt durch Medikamente, kann dieses Risiko deutlich abschwächen.
Viele Faktoren beeinflussen die Prognose der Transplantatfunktion. Hierzu zählen:
Die wichtigsten Komplikationen und Risiken der Nierentransplantation sollte jeder Patient vor seiner Entscheidung im einzelnen kennen und hierzu von seinem Arzt informiert werden. Zusätzlich zum Operations- und Narkose-Risiko spielen vor allem Komplikationen, die durch die Immunsuppressiva (Mittel zur Unterdrückung der Abstoßungsreaktion) verursacht werden, eine wichtige Rolle. In der Zeit unmittelbar nach der Transplantation ist der Patient gefährdet durch Wundheilungsstörungen, Magen-Darm-Blutungen und durch eine erhöhte Empfindlichkeit für Infektionen.
In der Langzeitbehandlung werden heute zur dauerhaften Immunsuppression im wesentlichen drei Medikamentengruppen eingesetzt:
Diese Medikamente können zu Nebenwirkungen führen, die hier nicht vollständig entsprechend den Angaben der Arzneimittelinformation aufgeführt werden können. Nachfolgend werden nur häufigere Nebenwirkungen bei Transplantierten unter einer standardisierten Kombinationstherapie in der Übersicht aufgeführt.
Die erwünschte Wirkung der immunsuppressiven Medikamente ist die Unterdrückung der Abwehrreaktion des Körpers gegen das fremde Organ. Dabei wird jedoch gleichzeitig die Abwehr gegen Infektionen durch Bakterien, Pilze, Viren und gegen entartete Zellen herabgesetzt. Infektionen sind deshalb bei Transplantierten häufiger und verlaufen auch schwerer als bei gesunden Personen oder auch Dialysepatienten. Dies hat im wesentlichen zur Folge, daß ein transplantierter Patient bei dem geringsten Anzeichen einer Infektion sofort den Arzt aufsuchen muß, damit eine Behandlung frühzeitig eingeleitet werden kann. Wenn der Patient sich entsprechend verhält, ist heute das Risiko für einen Transplantierten an einer Infektion zu sterben, relativ gering. Wichtig ist die regelmäßige Überwachung, um eventuelle Nebenwirkungen der immunsuppressiven Therapie frühzeitig zu erkennen. Das Risiko an einem bösartigen Tumor zu erkranken ist bei Transplantierten höher als in der gesunden Bevölkerung und bei Dialysepatienten.
Die genannten Informationen sollten dem Patienten als Grundlage für ein ausführliches Gespräch mit dem behandelnden Arzt dienen. In einem Aufklärungsgespräch informiert der Arzt des Transplantationszentrums über
Der Patient sollte sich auf dieses Gespräch vorbereiten und sich nicht scheuen, möglichst viele Fragen zu stellen. Im Anschluß an dieses Gespräch wird vom Arzt ein individuell angepaßter Untersuchungsplan erstellt. So kann die Entscheidung für oder gegen eine Nierentransplantation anhand einer genaueren Risikoeinschätzung erleichtert werden.