Welche Funktionen hat die neue Niere ?
Wer kann eine Nierentransplantation erhalten?
Wer kann nicht transplantiert werden?
Wann sollte man mit den Vorbereitungen für eine Nierentransplantation beginnen?
Verlängert eine Nierentransplantation das Leben der Patienten?
Welches Verfahren ist besser: Transplantation oder Dialyse?
Kann ich als Patient mein Transplantationszentrum auswählen?
Wie lange dauert die Operation?
Wie lange muss man nach der Transplantation im Krankenhaus bleiben?
Wann kann man nach der Transplantation wieder zur Arbeit gehen?
Woran erkennt man, dass die Niere funktioniert?
Wie lange ist die Wartezeit für eine Nierentransplantation?
Die neue Niere erfüllt die gleichen Aufgaben wie jedes gesunde Nierenpaar - allerdings in leicht eingeschränktem Umfang.
Die neue Transplantatniere übernimmt alle wesentlichen Funktionen, die zuvor die zwei eigenen Nieren ausgefürhrt haben:
Dennoch bleibt eine leichte Funktionseinschränkung der Transplantatniere häufig bestehen. Die Kreatinin-Clearance als Maß für die Ausscheidungsfunktion der Niere ist nur in wenigen Fällen "normal" bzw. "normwertig".
Jeder dialysepflichtige Patient, der nach einer Voruntersuchung als "transplantabel" eingestuft wird, kann eine Spenderniere erhalten. Für ältere Patienten (>70) ist die Operation jedoch sehr riskant. In jedem Fall ist es für chronisch Nierenkranke ratsam, sich schon frühzeitig mit allen Behandlungsmöglichkeiten zu befassen.
Alle Patienten mit einer chronischen dialysepflichtigen Niereninsuffizienz können - in bestimmten Altersgrenzen - heute mit einer Nierentransplantation behandelt werden. Voraussetzung ist jedoch, dass keine Gegenanzeigen und Gründe für eine Ablehnung vorliegen. Die Altersgrenze ist nicht streng festgelegt. Alle Patienten im Lebensalter >65 Jahre können in einem besonderen Programm (Eurotransplant-Senioren-Programm) transplantiert werden. Dennoch ist jenseits des siebzigsten Lebensjahres eine Nierentransplantation durch die Operation mit deutlich größeren Risiken verbunden. Nur im Einzelfall und unter Berücksichtigung aller Vorerkrankungen und Befunde kann zusammen mit dem Patienten entschieden werden.
Patienten, die an einer unheilbaren Krebserkrankung leiden, können nicht transplantiert werden. Auch eine nicht ausbehandelte Infektionskrankheit oder eine schwerwiegende sonstige Erkrankung (Herz-, Lungen-, Leber- oder Gefäßerkrankung) kann gegen die Durchführung einer Transplantation sprechen.
Jeder Patient, der an einer chronischen Nierenerkrankung leidet, sollte sich frühzeitig mit dem Thema Nierenersatztherapie beschäftigen. Alle drei möglichen Behandlungsoptionen müssen mit dem Dialysearzt offen beprochen werden:
Die Wartezeit auf eine Spenderniere beginnt mit dem ersten Tag der Dialyse. Kommt jedoch eine Lebendspende in Betracht, so kann diese auch schon vor Beginn eines Nierenersatzverfahrens durchgeführt werden (so genannte "präemptive" Lebendspende). Das Thema Nierentransplantation sollte daher noch vor Beginn der Dialyse diskutiert werden. Alle notwendigen Schritte der Vorbereitung können dann ohne Zeitverlust eingeleitet werden.
Aus verschiedenen Vergleichsstudien kann man - unter Berücksichtigung eines gewissen Ungenauigkeitsfaktors - den Schluss ziehen, dass die Überlebensrate von Transplantierten trotz aller Risiken höher ist als die von dialysepflichtigen Patienten.
Viele Studien zeigen ein besseres Überleben von Patienten nach einer Nierentransplantation im Vergleich zu weiterhin dialysepflichtigen Patienten. Diese positiven Studienergebnisse sind jedoch erst nach einer gewissen Zeit nach der Transplantation statistisch messbar. In der Anfangsphase überwiegt das höhere Risiko durch die Operation selbst. Die Beurteilung dieser Vergleichsstudien ist nicht einfach. So ist denkbar, dass für Studien nur "gesündere" Patienten ausgewählt werden und ältere oder kranke Patienten nicht transplantiert werden und in der dialysepflichtigen Untersuchungsgruppe verbleiben (Phänomen der Patientenselektion mit Verfälschung der Studienergebnisse). Dieser Einfluss wird in einer wissenschaftlichen Analyse methodisch korrigiert und "eingerechnet". Andere Probleme liegen in der begrenzten Aussagekraft von verschiedenen Studien. Dennoch ist die Nierentransplantation mit großer Wahrscheinlichkeit für nahezu alle Patientengruppen in bestimmten Altersgrenzen mit einem "echten Überlebensvorteil" verbunden. >>Mehr zu diesem Thema
Die Fortschritte in der Transplantationsmedizin haben die Nierentransplantation zu einem relativ sicheren Operationsverfahren gemacht. Dennoch bestehen das Operationsrisiko und die Nachteile der lebenslangen Einnahme von abwehrschwächenden Medikamenten. Hinzu kommt das erhöhte Krebsrisiko im Vergleich zur Normalbevölkerung. Andererseits gewinnt der Patient an Lebensqualität. Die statistische Auswertung der Überlebensraten von Dialysepatienten und Transplantierten fällt in den USA eindeutig zu Gunsten der Nierentransplantation aus.
Das Transplantationszentrum ist frei wählbar. Bei postmortalen Spenden ist aber zu bedenken, dass zwischen dem Organangebot und der Operation möglichst wenig Zeit liegen sollte. Die von Eurotransplant vermittelten Spendernieren können aus allen Mitgliedsländern der Organisation kommen.
Es gibt etwa 40 Nierentransplantationszentren in Deutschland. Grundsätzlich kann ein Patient sein Transplantationszentrum frei wählen. Dies gilt für die Durchführung einer Lebendspende uneingeschränkt. Hier handelt es sich um einen planbaren Eingriff, der nach einer eigenen Anreise wie vereinbart durchgeführt werden kann. Im Fall einer postmortalen Nierenspende muss die Anreise in das Zentrum bedacht werden. Eine lange Anreise des Patienten verlängert möglicherweise die Ischämiezeit (d.h. die Zeit außerhalb des Körpers) unnötig. Daher ist es grundsätzlich günstig das jeweilige regionale Transplantationszentrum zu wählen. Häufig hilft und berät der Dialysearzt in diesem Entscheidungsprozess.
Die postmortale Organspende (also die Niere eines Verstorbenen) wird von der Organisation Eurotransplant als Vermittlungszentrale zugeteilt. Die Niere kann daher grundsätzlich aus jedem der Länder kommen, die im Länderverbund von Eurotransplant zusammengeschlossen sind. Dies sind:
Sehr selten können Organe auch aus anderen Ländern (Frankreich, Großbritannien oder der Schweiz) vermittelt werden.
Nach der 3-4-stündigen Operation und einem im Normalfall 2-wöchigen Krankenhausaufenthalt sollte der Patient für weitere 2 bis 3 Monate berufliche und sonstige Belastungen vermeiden. Wenn die neue Niere nach und nach ihre Funktion aufnimmt, ist dies für alle Beteiligten ein großer Erfolg.
Die Nierentransplantation dauert etwa 3 bis 4 Stunden.
Bei unkompliziertem Verlauf bleibt der Patient etwa 2 Wochen im Krankenhaus. Die Aufenthaltsdauer hängt jedoch von vielen Faktoren ab.
In den ersten 2 bis 3 Monaten sollte ein Patient nicht belastet werden. Daher empfiehlt sich eine Berufstätigkeit erst nach Ablauf dieser Zeit, eine stabile Transplantatfunktion vorausgesetzt.
Das erste Anzeichen einer erfolgreichen Nierentransplantation ist die Urinausscheidung. Eine beginnende Transplantatfunktion führt zu einem Abfall von Kreatinin und Harnstoff im Blut. Eine Dialyse ist nicht mehr notwendig. Die Niere übernimmt die Entgiftungsfunktion im Körper und die Urinausscheidung normalisiert sich vollständig. Eine Diät ist für den Patienten nicht mehr erforderlich. Die Kalium- und Phosphatwerte sind normwertig. Der Säure-Base-Haushalt ist ausgeglichen und die Niere übernimmt die wichtige Hormonproduktion für die Blutbildung.
Wie lange man tatsächlich auf eine Spenderniere warten muss, ist relativ ungewiss. Die durchschnittliche Dauer von 4 bis 6 Jahren kann deutlich über- aber auch unterschritten werden. Eurotransplant verteilt die Organe nach strengen Richtlinien mit dem Ziel, keinen Patienten zu benachteiligen.
Grundsätzlich liegt die Wartezeit auf eine Nierentransplantation zwischen 4 bis 6 Jahren. Leider kann die Wartezeit im Einzelfall auch deutlich länger sein. Andererseits gibt es auch viele Patienten, die kürzer warten.
Dies sind vor allem :
Eurotransplant vermittelt die Organe nach einheitlichen und strengen Vergaberichtlinien. Die Zuteilung der Organe erfolgt nach folgenden Kriterien:
Die Einhaltung der Vergaberichtlinien wird streng überwacht. In der Bundesärztekammer ist eine "Ständige Kommission der Organtransplantation" zuständig, die diese Richtlinien ausgearbeitet hat.
Mehrfachtransplantationen sind möglich. Allerdings sinken die Erfolgsaussichten mit jeder weiteren Transplantation.
Ja. In Einzelfällen wurden einige Patienten bis zu 5 mal transplantiert. Dies sind jedoch sehr seltene Fälle. Mit einer erneuten Transplantation wächst das Risiko einer Abstoßung und statistisch wird die Überlebenszeit der Organe messbar kürzer. Auch von chirurgischer Seite kann eine wiederholte Transplantation schwierig sein. Ob eine erneute Transplantation nach dem Verlust einer Niere möglich ist, muss bei jedem Patienten im Einzelfall geprüft werden. Mehr zu diesem Thema unter "wiederholte Transplantation" (= Retransplantationen)".