NierentransplantationGrundlagen & WissenGeschichte
Wichtig!

Die ersten Experimente auf dem Gebiet der Nierentransplantation scheiterten am Problem der Organabstoßung. Dies änderte sich erst mit der Entwicklung hochwirksamer Immunsuppressiva.

Geschichte der Nierentransplantation

Die erste Nierentransplantation wurde an einem Hund im Jahr 1902 von einem Wiener Chirurg experimentell durchgeführt. Es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis die erste erfolgreiche Nierentransplantation beim Menschen durchgeführt wurde: 1954 wurde in Boston (USA) eine Niere bei eineiigen Zwillingen erfolgreich transplantiert.

Die Probleme der damaligen Zeit lagen in einer unzureichenden Kontrolle der Organabstoßung. In den Anfangsjahren gab es nur eine begrenzte Anzahl von Medikamenten, die die Abstoßung kontrollieren konnten (Immunsuppressiva). Erst die Entwicklung neuer Immunsuppressiva - im Jahr 1982/83 wurde Ciclosporin eingeführt - verbesserte die Erfolgsrate der Transplantationen. In den siebziger und achtziger Jahren war die Transplantationsmedizin - aber auch die Dialyse - noch in der Entwicklungsphase.

Wichtig!

Bereits in den siebziger Jahren war die Entwicklung so weit fortgeschritten, daß eine Transplantation für die Patienten insgesamt vorteilhafter war als die Dialyse.

Transplantation in der Anfangszeit

Der Holländer Willem Kolff, einer der frühen Pioniere der Behandlung von nierenkranken Patienten, verglich in der Anfangsphase der siebziger Jahre die Ergebnisse der Nierentransplansplantation mit den Vor- und Nachteilen der Dialysebehandlung. Die Grafik fasst die Einschätzung der damaligen Zeit zusammen. Schon damals war die Transplantation mit einer für die Patienten höheren Lebensqualität verbunden. Trotzdem war das Risiko an der Operation und seinen Komplikationen zu versterben zur damaligen Zeit sehr hoch. Dennoch konnte schon aus damaliger Sicht nur die Transplantation die Folgen der chronischen Niereninsuffizienz an den Organen (z.B. Anämie, Nervenschäden, sekundärer Hyperparathyreoidismus mit Knochenerkrankung u.a.) aufhalten. Heute ist diese Grafik nicht mehr gültig, denn das Patientenüberleben nach der Transplantation hat sich deutlich verbessert. Nach mehr als 30 Jahren Entwicklung ist die Nierentransplantation heute das am weitesten entwickelte und häufigste sowie wahrscheinlich sicherste Verfahren in der Transplantationsmedizin.

Wichtig!

Die Universität Frankfurt erzielt seit Jahrzehnten große Erfolge auf dem Gebiet der Nierentransplantation.

Geschichte der Transplantation an der Universität Frankfurt

An der Universität Frankfurt wurde im Jahr 1968 der erste Patient erfolgreich nierentransplantiert. Dieser Patient war damals an der Dialyse in einer ausweglosen Situation. Er benötigte zur Durchführung der Dialyse einen Gefäßzugang (Fistel/Shunt). Die Anlage von Dialysefisteln war schwierig und ihre Haltbarkeit für die Blutwäsche kurz. Zur damaligen Zeit war eine Nierentransplantation in Deutschland mit einem hohen Risiko verbunden: Jeder fünfte transplantierte Patient überlebte das erste halbe Jahr nicht. Dieser erste Patient an der Universität Frankfurt überstand jedoch die Transplantation gut und sein Transplantat funktionierte insgesamt 13 Jahre lang - bis er schließlich an die Dialyse zurückkehrte.

Seit dieser Zeit hat die Nierentransplantation weitreichende Fortschritte gemacht. Die Prognose der Patienten und des Transplantatüberlebens hat sich stetig verbessert. An der Universität Frankfurt sind bis heute mehr als 1400 Patienten nierentransplantiert worden. Jedes Jahr warten ca. 300 Patienten auf der Warteliste auf eine Nierentransplantation. Das Durchschnittsalter der Patienten ist in den vergangenen Jahren angestiegen und liegt bei etwa 45 Jahren. Der Anteil der älteren Patienten ist stetig angestiegen und beträgt heute ca. 15%.

Der Durchbruch der Fortschritte in der Transplantation lag in der Entwicklung neuer immunsuppressiver Medikamente (siehe auch Geschichte der Immunsuppressiva). Am Anfang hatten die Ärzte nur Glucocorticoide (Cortisonpräparate) und Azathioprin zur Verfügung. Später wurde Ciclosporin entdeckt und verbesserte das Transplantatüberleben wesentlich. Während zu Beginn der siebziger Jahre mehr als die Hälfte der Organe nach fünf Jahren nicht mehr funktionierte, sind heute noch mehr als 70 Prozent nach 5 Jahren funktionstüchtig. An diesem Erfolg sind neben den hochwirksamen Medikamenten viele weitere Faktoren beteiligt, z.B. neue Labormethoden (Bestimmung der Gewebemerkmale) und die Fortschritte in den Entnahmetechniken sowie eine bessere Aufbewahrung der Organe.

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