NierentransplantationGrundlagen & WissenQualität
Wichtig!

Die Transplantationszentren sind gesetzlich verpflichtet, dem Patienten in allen Phasen die bestmögliche Behandlung zu bieten. Drei Faktoren bestimmen die Qualität der Leistung: Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität.

Qualitätssicherung in der Transplantationsmedizin

Die Verpflichtung zur bestmöglichen Qualität in der Medizin ist unabdingbare Voraussetzung für ein verantwortungsbewusstes Handeln des Arztes. Der Patient hat Anspruch auf eine qualitativ hochwertige Versorgung nach dem Stand der neuesten medizinischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse. Nach §16 des Transplantationsgesetzes sind alle Transplantationszentren zur Durchführung von Maßnahmen zur Qualitätssicherung verpflichtet. Diese Maßnahmen sind von der Bundesärztekammer verabschiedet worden und definieren die Anforderungen im Zusammenhang mit der Organentnahme und -transplantation.

In der Medizin ebenso wie in anderen Bereichen steht die Leistungsqualität der medizinischen Behandlung auf drei Säulen. Man unterscheidet Strukturqualität, Prozessqualität und Ergebnisqualität.

Wichtig!

Strukurqualität beschreibt die technische und personelle Ausstattung des Transplantationszentrums, die Prozessqualität bezieht sich auf alle Behandlungsabläufe.

Strukturqualität

Die Strukturqualität bezieht sich auf alle im Transplantationszentrum vorhandenen personellen und materiellen Ressourcen. Mit diesem Begriff werden alle bei der eigentlichen Leistungserbringung eingesetzten Mittel umschrieben. Hierzu zählen:

  • technische Ausstattung des Transplantationszentrums
  • Anzahl der Ärzte und Fachärzte (mit verschiedenen Ausbildungen und Subspezialisierungen)
  • Pflegepersonal
  • medizinische Apparate und Sachgüter

Eine erfolgreiche Transplantation setzt das Vorhandensein bestimmter Strukturen im Transplantationszentrum voraus. So gehört ein 24-Stunden-Rufdienst zur Transplantationskoordination und -vorbereitung ebenso zur Strukturqualität wie eine ausreichende Operationskapazität. Strukturqualität umfasst die Ausstattungsmerkmale der Klinik und das gesamte Leistungsspektrum. Für ein Transplantationszentrum ist ein leistungsfähiges immunologisches Labor (zur Bestimmung der HLA-Typisierung und Durchführung eines Crossmatch) notwendig. Dem Konzept der Strukturqualität liegt die Annahme zugrunde, dass eine hochwertige personelle und technische Ausstattung einer Klinik auch zu verbesserten medizinischen Ergebnissen führt. Eine gute Strukturqualität kann so ein indirekter Hinweis auf eine hochwertige medizinische Versorgung sein.

Prozessqualität

Die Prozessqualität umfasst die Abläufe im Transplantationszentrum vor, während und nach der Transplantation. Anerkannte Regeln bei der Abfolge der diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen sind hierbei zu beachten. Auch gut abgestimmte Prozesse und Behandlungsabläufe sind ein indirekter Hinweis auf eine gute Leistungsqualität.

Wichtig!

Die Ergebnisqualität wird nicht nur am Überleben von Patient und Organ gemessen. Auch der Faktor "Zufriedenheit" der Beteiligten spielt hier eine große Rolle.

Ergebnisqualität

Der eigentliche Maßstab zur Beurteilung der Behandlung ist die Ergebnisqualität. In der Transplantationsmedizin könnte dies am Patienten- und Transplantatüberleben gemessen und abgeleitet werden. Die Ergebnisqualität wird jedoch auch von den Zielen der Behandlung beeinflusst. Zentrale Fragen sind:

Wie gut werden diese Ziele erreicht?

Wie zufrieden sind Arzt und Patient mit dem medizinischen Behandlungsergebnis?

Häufig werden dafür die 1-, 5- und 10-Jahres-Überlebensraten von Patient und Transplantat zu Grunde gelegt. Aber auch andere Faktoren fließen in die Bewertung der Ergebnisqualität mit ein. So werden beispielsweise die Ergebnisse eines Transplantationszentrums mit vielen Hochrisikopatienten (Ältere, Vor- oder Mehrfachtransplantatierte, Patienten mit schweren Begleiterkrankungen) durch diese Risikoselektion verfälscht. Ein Vergleich einzelner Transplantationszentren ist daher nur möglich, wenn diese Einflussfaktoren mit erfasst und ausgewertet werden. Über Datenbanken ("Registry-Datenbanken") werden die Transplantationsergebnisse in einzelnen Ländern zusammengetragen.

 

Wichtig!

Drei Arten von Qualitätsindikatoren gehen in die Leistungsbeurteilung einer Behandlung ein: primäre, sekundäre und Rote Flagge Indikatoren.

Qualitätsindikatoren einer Nierentransplantation

Die Beurteilung einer Nierentransplantation erfolgt auf der Basis folgender primärer Qualitätsindikatoren:

  • Patientenüberleben nach der Transplantation
  • Verlust der Transplantatfunktion (Zeit bis zur Rückkehr zur Dialyse)

Weitere, sekundäre Qualitätsindikatoren können sein:

  • Zeitpunkt bis zur Funktionsaufnahme
  • Transplantatfunktion gemessen am Serumkreatinin
  • Operative Komplikationen
  • Häufigkeit der Abstoßungen
  • Komplikationsrate durch Immunsuppression
  • Folgeerkrankungen

Sogenannte "Rote Flagge Indikatoren" (sentinel events) sind Ereignisse, die einen direkten Handlungsbedarf im Transplantationszentrum auslösen. Hierzu zählt zum Beispiel der Tod eines Lebendspenders.

Quellen:

Informationen der Bundesärztekammer zu den Richtlinien der Qualitätssicherung gemäß §16 TPG:

http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.7.45.3263.3264

 

[1] Bechstein WO., Wullstein C. Transplantation and quality of outcome, 2002;73:576-581.

Hilfe
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