In der Transplantationsmedizin werden zur wirksamen Kontrolle einer unerwünschten Abstoßung verschiedene abwehrschwächende Medikamente eingesetzt.
Am Anfang ist eine Kombination aus 3 Medikamenten typisch - hier werden drei Medikamente aus drei verschiedenen Wirkgruppen miteinander kombiniert:
Häufig werden z.B. eingesetzt:
Es gibt auch Kombinationstherapien, die z.B. Sirolimus (=Rapamune®) oder Everolimus (=Certican®) - auch als mTOR-Inhibitoren bezeichnet - enthalten.
Nachfolgend können nicht nicht alle Möglichkeiten der Kombinationbehandlung vollständig aufgeführt werden. Die Auswahl der Kombinationstherapien bestimmt der betreuende Arzt. Hier werden neben dem Abstossungsrisko und den möglichen Nebenwirkungen auch verschiedene individuelle Faktoren und die Vorgeschichte des Patienten mitberücksichtigt.

In der medikamentösen Behandlung nach einer Nierentransplantation mit abwehrschwächendenden Medikamenten (Immunsuppressiva) werden mehrere Phasen unterschieden: Die Induktionstherapie (eine besondere Form der intensivierten Therapie mit bestimmten Medikamenten), die Initialtherapie (unmittelbar mit Beginn bzw. nach der Transplantation) und die Erhaltungstherapie (langfristige Therapie der Folgezeit).
Die Immunsuppression wird nach der Transplantation im Verlauf bei jedem Patienten individuell angepasst. Grundprinzip ist eine intensive Therapie in der Anfangszeit mit langsamer Dosisreduktion bestimmter Medikamente bei regelmäßiger Kontrolle der Blutspiegel.
Schon in den neunziger Jahren gab es in verschiedenen wissenschaftlichen Studien erste Versuche, auf eine Cortisontherapie zu Beginn der Transplantation zu verzichten (cortisonfreie Immunsuppression) oder Cortison nach einiger Zeit bei einem stabilen Patienten abzusetzen (frühe oder späte Cortison-Reduktion nach der Transplantation). Die Ergebnisse dieser Studien im Hinblick auf
waren jedoch in den Ergebnissen uneinheitlich und z.T. widersprüchlich.
Eine wichtige Studie zeigte, dass das Absetzen von Cortison bei einigen Patienten mit stabilem, unkompliziertem Verlauf möglich ist, dass jedoch ein Teil dieser Patienten ohne Cortison eine schlechtere Transplantatfunktion im Langzeitverlauf aufwies [1] . Eine große Metaanalyse ergab zudem, dass das Absetzen von Cortison im Verlauf nach der Transplantation zu einem erhöhten Abstoßungsrisiko (ca. 14%) und zu einem erhöhten Risiko eines späteren Transplantatverlustes (ca. 40%) führen kann [2] .
Neuere Studien zeigen, dass unter einer Therapie mit Ciclosporin und MMF (Cellcept®) ein Absetzen von Cortison nach drei Monaten durchaus möglich ist: Beide Gruppen hatten eine vergleichbare Transplantatfunktion und schwerwiegende Abstoßungen traten in der Gruppe ohne Cortison nicht auf (jedoch mehr leichte Abstoßungen Banff Grad I; 25% in der Gruppe ohne Cortison und 15% in der Gruppe mit Cortison) [3] .
Aufgrund dieser Sicherheitsbedenken kommt nach den Europäischen Leitlinien ein Ausschleichen des Cortisons nur für einen Teil der Patienten infrage. Dies sind Patienten mit einem sehr niedrigen Abstoßungsrisiko, einem stabilen und unkomplizierten Verlauf und einer wirksamen immunsuppressiven Therapie mit anderen Wirkstoffen. Das Ausschleichen des Cortisons darf nur auf der Grundlage einer Empfehlung des betreuenden Transplantationsarztes unter einer engmaschigen Kontrolle der Transplantatfunktion erfolgen [4] .
[1] Ratcliffe P.J., Lancet 1996;348:643-648.
[2] Kasiske, B.L., J Am Soc Nephrol. 2000;11:1910-7.
[3] Vanrenterghem, V., Transplantation. 2000;70:1352-9.
[4] European best practice guidelines for renal transplantation. IV.3.1 Long-term immunosuppression. Late steroid or cyclosporine withdrawal. Nephrol Dial Transplant. 2002;17 Suppl 4:19-20.