Die Initialpahse nach der Transplantation umfasst das Zeitintervall der ersten 3 Monate. Hier gilt als Grundprinzip, dass eine intensivere abwehrschwächende Behandlung nach der Transplantation notwendig ist. So ist in den ersten Monaten nach der Transplantation das Risiko einer Abstoßung am grössten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass danach keine Abstoßungen mehr auftreten, sondern nur, dass die Wahrscheinlichkeit einer Abstoßung mit der Zeit abnehmen kann. Daher kann es sinnvoll sein, anfänglich stärker wirksame abwehrschwächende Medikamente zu geben.
Bei einigen Patienten wählt man neben einer klassischen Therapie aus drei Medikamenten zusätzlich noch die Gabe von monoklonalen Antikörpern (Anti-IL2-Antikörper entweder als Basiliximab oder als Daclizumab). Diese besonders intensive Immunsuppression bezeichnet man häufig auch als "Induktionstherapie".
Eine Induktionstherapie wird gezielt zur Vermeidung einer frühen Abstoßung eingesetzt. Die Frage, für wen eine Induktionstherapie sinnvoll ist und bei welchen Patienten sie zu einer unnötigen "Überimmunsuppression" führt, ist Gegenstand laufender wissenschaftlicher Untersuchungen.
Eine prophylaktische Gabe von Antikörpern zur Erniedrigung des Risikos einer akuten Abstoßung (innerhalb der ersten 3 bis 6 Monate) ist möglich und optional. Jedoch steigt mit dieser Therapie das Risiko einer Überimmunsuppression mit der Gefahr von Virusinfektionen. Außerdem erhöht sich auch das Risiko für eine Post-Transplantations-Lymphoproliferative Erkrankung (PTLD).
Nach den bisherigen Studien wird das Überleben des Transplantats im Langzeitverlauf (Beobachtungszeit von mehr als 3 Jahren) durch eine Induktionstherapie nicht verbessert (Empfehlung Grad A: höchste Evidenzstufe).
Von einer Induktionstherapie profitieren am ehesten Patienten mit einer verzögerten Funktionsaufnahme des Transplantats oder Patienten, die vor der Transplantation bestimmte HLA-Antikörper im Blut aufweisen (Empfehlung Grad A: höchste Evidenzstufe).
Die Antikörper ALG, ATG und OKT3 sind gleichermaßen (äquivalent) wirksam (Empfehlung Grad A: höchste Evidenzstufe). Humanisierte monoklonale Antikörper gegen den IL-2 Rezeptor (Xenapax®, Simulect®) sind sichere und effektive Medikamente zur Induktionstherapie (Empfehlung Grad A: höchste Evidenzstufe).