Bluthochdruck hat bei Nierentransplantierten negative Auswirkungen auf das Transplantatüberleben.
Eine zielgerechte Blutdruckeinstellung gehört zu den wichtigsten Faktoren, die das Transplantatüberleben beeinflussen. Ein dauerhaft hoher Blutdruck kann zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion führen.
Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) ist in den europäischen Ländern und in Nordamerika ein häufiges Problem. Jeder fünfte Erwachsene hat einen behandlungspflichtigen Bluthochdruck; in Deutschland werden insgesamt etwa 12 Millionen Patienten behandelt. Nach dem 70. Lebensjahr hat sogar jeder zweite Blutdruckwerte über der Norm. Die arterielle Hypertonie ist damit eine Volkskrankheit.
Heute definiert man für verschiedene Patienten eine Zielblutdruck. Es gelten folgene Empfehlungen für den Zielwert des Blutdrucks:
Ziel jeder Bluthochdruckbehandlung ist es, gefährliche Folgeerkankungen an Herz und Gefässen zu verhindern. Bluthochdruck kann zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt führen: um dies zu verhindern, sollte frühzeitig behandelt werden. Ein gut eingestellter Blutdruck schützt nicht nur den Patient, sondern auch die neue Transplantatniere.
Große Teile der Bevölkerung sind von Bluthochdruck betroffen, wobei die Ursache meist ungeklärt bleibt. Bei Nierenkranken hingegen steht der Bluthochdruck immer in direktem Zusammenhang mit der Erkrankung selbst.
Bei der häufigsten Form des Bluthochdrucks, der essentiellen oder primären Hypertonie, ist die Ursache unklar. Etwa 90% aller Patienten mit Bluthochdruck leiden an dieser Form der arteriellen Hypertonie.
Im Gegensatz dazu haben Patienten mit einer Nierenerkrankung oder nach einer Nierentransplantation eine sekundäre Hypertonieform. Hier wirken viele verschiedene Ursachen an der Entstehung der arteriellen Hypertonie mit:
Erkrankungen mit gestörter Hormonbildung (Schilddrüsenerkrankungen, seltene Erkrankungen wie das Conn-Syndrom oder ein Phäochromozytom) treten bei nierentransplantierten Patienten nicht häufiger auf als in der Normalbevölkerung.
Erst wenn bei diesen Untersuchungen Auffälligkeiten bestehen, sollte eine weitere spezielle Diagnostik erfolgen. Patienten nach einer Nierentransplantation haben diese Untersuchungen in der Regel vollständig erhalten.
Für den Patienten nach Nierentransplantation liegt der ideale Zielblutdruck bei <130/80 mmHg. Dieser strenge Zielblutdruckwert erfordert in der Einstellung zum Schutz der neuen Niere eine frühzeitige und oft intensive Behandlung. Grundlage für die Notwendigkeit einer medikamentösen Blutdrucktherapie sind:
Generell sollte auf eine engmaschige Überwachung des Blutdrucks geachtet werden. Jeder Patient sollte nach der Transplantation täglich eine Blutdruckselbstmessung durchführen und die Werte sorgfältig dokumentieren.
Bei Nierentransplantierten ist eine strikte Blutdruckeinstellung mit Hilfe von Medikamenten notwendig. Besonders wichtig ist die regelmäßige Selbstmessung.
Viele Untersuchungen belegen, wie wichtig der Blutdruck für das Überleben der Transplantatniere ist. Eine eigenverantwortliche Selbstmessung des Blutdrucks sollte daher regelmäßig durchgeführt werden. Jeder transplantierte Patient sollte idealerweise Buch über die täglich gemessenen Blutdruckwerte führen. Der Zielblutdruck sollte unter 130 mmHg im oberen Wert und unter 80 mmHg im unteren Wert liegen.
Vor Beginn der medikamentösen Blutdruck-Behandlung sollte der Patient seinen körperlichen Allgemeinzustand durch eine vernünftige Lebensweise verbessern.
Es gibt verschiedene Medikamente mit unterschiedlichem Wirkprinzip, die in der Hochdrucktherapie eingesetzt werden. Das Ziel der Therapie ist, die Folgen des Bluthochdrucks und damit Organschäden an Herz, Niere und Gerhirn zu verhindern und/oder aufzuhalten. Vor der medikamentösen Therapie sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden:

Diese genannten Maßnahmen senken den Blutdruck selbst und haben in Studien eine günstige Wirkung auf das Risikoprofil des Patienten gezeigt. Nichtmedikamentöse Maßnahmen nutzen auch Patienten, die eine medikamentöse Behandlung erhalten. Hierdurch kann die Menge an Tabletten reduziert und ihre Wirkungsweise verbessert werden.
Zur Vermeidung von Folgeerkrankungen sollte zusätzlich das Rauchen unbedingt eingestellt werden. Eine gesunde, cholesterinarme Ernährung (viel Obst und Gemüse, fettmodifiziert) ist zusätzlich präventiv wirksam.
Die Intensität und der zeitliche Ablauf der medikamentösen Therapie hängen davon ab, wie stark der Blutdruck des Patienten vom Ziel abweicht. Auch die Zusammensetzung der Wirkstoffe wird je nach vorliegender Begleiterkrankung individuell festgelegt.
Grundsätzlich wird die Therapie für jeden Patienten individuell festgelegt und ist abhängig vom Schweregrad der Erkrankung und den bestehenden Begleiterkrankungen und Risiken des Patienten. Man unterscheidet eine Monotherapie (nur ein Wirkstoffpräparat), eine Zweifachtherapie (Kombination aus 2 Wirkstoffen) und Drei- oder Mehrfachkombinationen. Bei leicht erhöhtem Blutdruck und gering erhöhtem kardiovaskulären Risiko ist in der Regel eine Monotherapie ausreichend. Medikamente der 1. Wahl in der Monotherapie sind:
Der Arzt kann die Therapie des Bluthochdrucks mit nur einem Medikament beginnen (Monotherapie) und dann bei unzureichender Wirkung entweder auf ein anderes Medikament wechseln (sequentielle Monotherapie) oder in Stufen die Therapie intensivieren (Stufentherapie). Wichtig ist, dass im Zeitverlauf eine Blutdruckkontrolle wirksam gelingt. Um dies rasch und effektiv zu erreichen, können auch bereits zu Beginn der Behandlung niedrig dosierte Kombinationen aus zwei Medikamenten eingesetzt werden (häufig in einer Tablette als Kombinationspräparat zusammengeführt). Der Vorteil ist eine bessere Compliance der Patienten durch den schnelleren Erfolg der Behandlung und weniger Nebenwirkungen durch die niedrigere Dosierung.
Eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien untersucht die Frage, welche Medikamente für welche Zielgruppen von Patienten besonders gut geeignet sind. So bestimmen die Begleiterkrankungen des Bluthochdrucks häufig die ideale Anfangsauswahl der Medikamente. Hier spielen die kardiovaskulären Begleiterkrankungen (Herz-Kreislauferkrankungen) in der Entscheidung, welches Medikament welcher Patientengruppe verabreicht werden sollte, eine besondere Rolle:
Leidet der Patient zusätzlich zum Bluthochdruck an einem Diabetes mellitus (Typ I oder Typ II), sollte bei Vorliegen einer Nierenerkrankung ein ACE-Hemmer oder ein AT1-Blocker Bestandteil der Behandlung sein. Liegt beim Patienten gleichzeitig eine koronare Herzerkrankung vor, ist ein beta-Blocker bei guter Verträglichkeit und fehlenden Kontraindikationen unverzichtbarer Bestandteil der Therapie. Patienten mit einer den Bluthochdruck begleitenden Herzinsuffizienz benötigen in der Regel neben einem ACE-Hemmer oder AT1-Blocker zusätzlich eine "Wassertablette" (Diuretikum).
[1] ALLHAT Studie: Mayor outcomes in high risk hypertensive patients randomised to angiotensin-converting enzyme inhibitor or calcium channel blocker versus diuretic; The Antihypertensive and Lipid-Lowering treatment to prevent Heart Attack Trial (ALLHAT). JAMA 2002;288:2981-2997.
[2] VALUE Studie: Outcome in hypertensive patients at high risk treated with regimens based on valsartan or amlodipin: the VALUE randomised trial. Lancet 2004;363:2022-2031.
[3] INVEST Studie: A Calcium Antagonist versus a non-calcium antagonist hypertension treatment strategy for patients with coronary artery disease. The International Verapamil Trandolapril Study (INVEST). JAMA 2003;290: 2805-2816.
[4] Zidek,W., Die aktuellen Hypertonieleitlinien. Internist 2005;[Suppl1]46:S4-S10.
[5] Leitlinien zur Hypertonie der Deutschen Hochdruckliga: www.hochdruckliga.de