NierentransplantationThemenErste VorbereitungenWartezeit

Wartezeit

Die Wartezeit auf eine Transplantatniere wird vom Beginn der Dialysebehandlung an berechnet. Ein Angebot für eine Niere kann erst erfolgen, wenn der Patient bei Eurotransplant als transplantabel gemeldet ist. Die durchschnittliche Wartezeit liegt derzeit zwischen 4 und 5 Jahren. Dies ist ein statistischer Durchschnittswert, der für den einzelnen Patienten keine Aussage macht. Patienten können Wochen bis  Jahre auf eine Niere warten.

Für alle Patienten gelten jedoch ganz bestimmte Richtlinien der Organvergabe, die von Eurotransplant bestimmt werden. Ziel dieser Richtlinien ist es, keinen Patienten zu benachteiligen. Diese Vergaberichtlinien berücksichtigen:

  • Die Wartezeit des Empfängers
  • Übereinstimmung der Blutgruppen von Spender und Empfänger
  • Übereinstimmung der Gewebemerkmale oder -typen (im sogenannten HLA-System)

Zusätzlich werden Benachteiligungen von bestimmten Patientengruppen ausgeglichen (z.B. Kinder < 16 Jahre und Patienten mit sehr seltenen Gewebemerkmalen).

Das Transplantationszentrum hat keinen Einfluss auf die Wartezeit

Wichtig!

Ausschließlich auf der Basis der Vergaberichtlinien ermittelt Eurotransplant per Computer den passenden Empfänger, d.h. die Vergabe ist nicht beeinflussbar. Der ermittelte Patient sollte dann unbedingt kurzfristig erreichbar sein.

Die Wartezeit kann vom zuständigen Transplantationszentrum nicht beeinflusst werden. Sie wird zentral bei Eurotransplant in einem computergestützten Verfahren errechnet. Die Einhaltung der Vergaberichtlinien für die Organe wird streng überwacht und von der Vermittlungsstelle Eurotransplant umgesetzt. Ein Computer sammelt die Daten aller Patienten auf der Warteliste im Länderverbund von Eurotransplant. Zu den wichtigsten Patientendaten gehören die Blutgruppe, die Gewebemerkmale des HLA-Systems und der Beginn der Dialyse. Bei einem Organangebot ermittelt der Computer anhand der Kriterien den passenden Empfänger auf der Liste. Für jedes Spenderorgan wird diese Liste neu berechnet und ändert sich damit permanent. Ein Patient hat somit keinen "festen Listenplatz", der sich langsam nach oben verschiebt. Daher ist es auch nicht möglich, dem Patienten mitzuteilen, auf welchem Platz der Liste er momentan steht. Der Patient kann jedoch in seinem Transplantationszentrum erfahren, wie oft er schon - z.B. im vergangenen Jahr -  unter den ersten zehn Patienten war.  

Wichtig in der Wartezeit ist, dass der Patient, sobald ein passendes Organ vorhanden ist, vom Transplantationszentrum telefonisch schnell erreicht werden kann. Bei längerer Abwesenheit von zu Hause (Wochenende, Urlaub) muss eine Telefonnummer (z.B. die Handy-Nummer) beim Transplantationszentrum hinterlassen werden, unter der der Patient innerhalb von 1-2 Stunden erreicht werden kann. Urlaub innerhalb Europas ist durchaus möglich, sofern gewährleistet ist, dass der Patient binnen 6-8 Stunden im Transplantationszentrum sein kann. Bei Urlaub in weiter entfernt liegenden Gebieten muss der Patient sich für diese Zeit von der Warteliste abmelden.

Körperliche Fitness und regelmäßige Kontrolluntersuchungen

Wichtig!

Europäische Leitlinien:
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen während der Wartezeit auf Erkrankungen, die eine Transplantation unmöglich machen.

Weiterhin sollte der Patient darauf achten, sich im Hinblick auf die Transplantation körperlich möglichst fit zu halten. Hierzu ist regelmäßige Bewegung und eine vernüftige, den Dialysenotwendigkeiten angepasste Ernährung wichtig. Außerdem sollten unbedingt alle Risikofaktoren für Blutgefäßerkrankungen und Schäden am Herzen, wie Übergewicht, Rauchen, Bluthochdruck, hohe Phosphatwerte und zu starke Gewichtszunahme zwischen den Dialysen vermieden werden. Je besser der körperliche Zustand, in dem ein Patient zur Transplantation kommt, desto besser sind die Chancen, dass während und nach der Transplantation keine Probleme auftreten. Da bei stark übergewichtigen Patienten die Operation langwieriger und damit risikoreicher ist, und da bei diesen Patienten nach der Operation mehr Komplikationen auftreten, sollte Übergewicht in der Wartezeit abgebaut werden. Während der Wartezeit müssen regelmäßige medizinische Untersuchungen durchgeführt werden.

Europäische Leitlinie: Regelmäßige Verlaufskontrollen für Wartelistenpatienten: (I.8.2)

Während der Wartezeit sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen des Patienten erforderlich, um unerwartete Risiken zum Zeitpunkt eines Organangebotes zu vemeiden (Empfehlung Grad C: Expertenevidenz)

Diese Verlaufskontrollen sollten in 6- bis 12-monatigen Abständen durchgeführt werden (Empfehlung Grad C: Expertenevidenz). Sie umfassen :

  • Herzkreislauf-Kontrolluntersuchungen
  • Untersuchungen auf aktuelle Infektionen
  • spezielle Tests für virale Erkrankungen
  • Untersuchungen auf versteckte Infektionen im Bereich der Blase und Harnröhre (Empfehlung Grad C: Expertenevidenz).

Nicht transplantabel (NT): Meldung an Eurotransplant

Falls während der Wartezeit Operationen notwendig werden oder andere Erkrankungen auftreten, die eine Transplantation vorübergehend unmöglich machen, muss das Transplantationszentrum hierüber informiert werden, damit der Patient für diese Zeit vorübergehend im Computer als "zur Zeit nicht transplantabel" (NT-Meldung) umgemeldet werden kann. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass die Niere ohne unnötige Verzögerungen einem anderen passenden Transplantatempfänger angeboten werden kann.

Hilfe
Wichtige Informationen für den Umgang mit dem Nierenratgeber www.nierenratgeber.de ist ein Patienteninformationssystem. Es dient reinen Informationszwecken und ersetzt nicht die individuelle ärztliche Beratung und Betreuung des Patienten.
Vor der weiteren Benutzung des Patienteninformationssystems lesen Sie bitte unbedingt die nachfolgenden Anleitungen: Wichtige allgemeine Hinweise Hinweise zum Umgang mit Medikamenten