Behandlung

Wichtig!

Akute interstitielle Abstoßungen, die auch unbemerkt ablaufen können und erst bei einer Protokollbiopsie entdeckt werden, lassen sich durch Einsatz von Cortison meist erfolgreich behandeln.

Akute interstitielle Abstoßung

Eine akute interstitielle oder zelluläre Abstoßung muss immer so früh wie möglich erkannt und behandelt werden. Die Schädigung wird durch einwandernde T-Lymphozyten verursacht.

In mehr als  90 % der Fälle kann diese Form der Abstoßung erfolgreich mit Cortison (z.B. Methylprednisolon in einer Dosis von 250 bis 500 mg/Tag über 3 bis 4 Tage) behandelt werden. Der Erfolg der Behandlung wird an einer Funktionsverbesserung des Transplantats und an einem sinkenden Kreatinin gemessen. In seltenen Fällen spricht die Abstoßung nicht auf Cortison an. Dann sind noch andere immunsuppressive Medikamente in der Reserve verfügbar (z.B. Antikörper wie ATG).

Häufig werden Patienten, die eine akute Abstoßung zeigen, auf eine Therapie mit Tacrolimus umgestellt.

Subklinische Abstoßung

Finden sich in einer Protokollbiopsie feingewebliche Anzeichen einer Abstoßungsreaktion in der Transplantatniere und hat der Patient keine messbare Nierenfunktionsverschlecherung (z.B. keinen Einbruch der Wasserausscheidung und keinen Kreatininanstieg), so spricht man von einer "subklinischen Abstoßung".

Es gibt erste Hinweise, dass die Behandlung einer asymptomatischen subklinischen Abstoßung mit Cortison (z.B. Methylprednisolon über drei Tage in höherer Dosierung) das Langzeitüberleben des Transplantats verbessern kann [1] [3] [4].
 

Wichtig!

Die Behandlung der vaskulären Abstoßung zielt darauf ab, die das Transplantat bekämpfenden Antikörper aus dem Blut zu entfernen oder, wie es neue Medikamente möglich machen, deren Entstehung von vornherein zu verhindern.

Vaskuläre Abstoßung

Ein Therapieansatz besteht darin, die schädigenden Antikörper aus dem Blut des Patienten durch eine Plasmapherese (Plasma-Austausch mit Entfernung der Antikörper ähnlich einer Hämofiltration) zu entfernen. Auch eine Immunadsorption wird heute erfolgreich als Therapie eingesetzt [6]

Eine Umstellung auf Tacrolimus (statt Ciclosporin) und MMF wird heute in der Regel empfohlen.

Neue Therapieansätze betreffen eine Gruppe von Medikamenten, die auch als Biologica bezeichnet werden (dabei handelt es sich um gentechnisch hergestellte Antikörper gegen bestimmte Oberflächenstrukturen von Zellen). Zu dieser Gruppe gehört der Antikörper Rituximab (Anti-CD20-Antikörper), der in Einzelfällen bei der vaskulären Abstoßung eingesetzt wurde [2]. Das Medikament soll die B-Zellen in ihrer Reifung zu Antikörper produzierenden Plasmazellen blockieren und damit die Ausschüttung von Antikörpern hemmen.

Aufgrund der möglichen Beteiligung von Antikörpern gegen den Angiotensin II Typ 1 Rezeptor an der Entstehung der vaskulären Abstoßung könnte es vorteilhaft sein, eine frühzeitige Behandlung mit AT1-Rezeptor-Blockern zu beginnen [8].

Quellen

[1] Miyagi, M. Clin Transplant. 2005 Aug;19(4):456-65.

[2] Becker, Y. Am J Transplant. 2004 Jun;4(6):996-1001.

[3] Roberts, I.S. Transplantation. 2004 Apr 27;77(8):1194-8

[4] Seikku, P. Pediatr Transplant. 2005 Dec;9(6):754-62.

Übersichtsarbeiten zur Bedeutung der subklinischen Abstoßung und der Durchführung einer Protokollbiopsie:

[5] Rush D.N., Clin Transplant. 1999 Dec;13(6):441-6

[6] Bohmig, G.A. Transpl Int. 2005 Feb;18(2):131-9.

[7] Min L. Clin Transplant. 2005 Feb;19(1):51-5.

[8] Dragun D., NEJM 2005; 352:558-569.

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