Abhängig vom Verlauf und den histologischen Besonderheiten unterscheidet man drei Formen der Abstoßung im Transplantat:
Darüber hinaus gibt es den Begriff der "subklinischen Abstoßung".
Es gibt drei Formen der Organabstoßung:
Hyperakut, akut und chronisch.
Die hyperakute Abstoßung wird durch Antikörper verursacht. Die Ursache ist eine Blutgruppenunverträglichkeitund kann heute durch ein Crossmatch nahezu ausgeschlossen werden.
Hyperakute Abstoßungen werden durch das vorbestehende Vorhandensein von Antikörpern gegen die neue Niere hervorgerufen. Diese Antikörper sind gegen die Gewebeoberflächenmerkmale der neuen Niere gerichtet und zerstören das Transplantat.
Ein klinisches Zeichen einer in der Regel fulminant verlaufenden hyperakuten Abstoßung ist eine schwerste Durchblutungsstörung im Nierentransplantat mit einer lividen Blaufärbung des Organs. Schon in der ersten Stunde nach Organverpflanzung kann diese Durchblutungsstörung mit Infarkten, Mikrothromben und Einblutungen (interstitielle Hämorrhagien) auftreten. In der Duplexsonographie kann die Diagnose zusätzlich gesichert werden und muss differentialdiagnostisch von einer Gefäßthrombose in der Nierenvene abgegrenzt werden.
Akute Abstoßungen können nach dem Befund der feingeweblichen Untersuchung (Biopsie) in zwei Unterformen eingeteilt werden:
Man unterscheidet zwei Formen der akuten Abstoßung:
die zelluläre interstitielle Abstoßung und die vaskuläre Abstoßung. Bei einer akuten zellulären interstitiellen Abstoßung wandern Entzündungszellen in das Interstitium (Gewebszwischenräume) und in die kleinen Nierenkanälchen (Tubuli) ein. Akute interstitielle Abstoßungen, die oft bei einer Protokollbiopsie entdeckt werden, lassen sich meistens gut behandeln.
Bei einer zellulären oder interstitiellen Abstoßung wandern Entzündungszellen in das Nierengewebe ein und greifen die kleinen Nierenkanälchen (Tubuli) an. Der Abstoßungsprozess spielt sich im umliegenden Bindegewebe (Interstitium) und an den Tubuli ab. In der feingeweblichen Untersuchung sind Zellnester mit Entzündungszellen nachweisbar.
Eine interstitielle Abstoßung kann auch mit einem nur geringen Anstieg des Kreatinins einhergehen. Sie kann in der Regel bei frühzeitiger Entdeckung sehr erfolgreich behandelt werden (Vgl. auch: Behandlung der akuten interstitiellen Abstoßung).
Finden sich in einer sogenannten "Protokollbiopsie" (eine nach vorher definiertem Plan regelhaft festgelegte Biopsie, die unabhängig von der Nierenfunktion durchgeführt wird) Zeichen einer interstitiellen Abstoßung, so wird dies als "subklinische Abstoßung" bezeichnet.
Eine subklinische Abstoßung ist somit ein Zufallsbefund in einer Protokollbiopsie bei guter Funktion der Transplantatniere. Ob dieser Befund behandlungsbedürftig ist, müssen weitere aktuelle Forschungen zeigen (vgl. auch: Behandlung der subklinischen Abstoßung).
Vaskuläre Abstoßungen werden wahrscheinlich durch Antikörper ausgelöst, die die Blutgefäße des Transplantats angreifen. Die kleinen Gefäße entzünden sich und werden verengt. Diese Art der Abstoßung ist schwierig zu behandeln.

Akute vaskuläre Abstoßungen sind wahrscheinlich auf die Wirkung von zirkulierenden Antikörpern zurückzuführen. Vaskuläre Abstoßungen laufen überwiegend an den Gefäßen der Transplantatniere (als Glomerulitis und/oder Endarteriitis) ab und führen zu einem Entzündungsprozess mit Einwanderung von verschiedenen Entzündungszellen und Einengung der kleinen Gefäße mit Mikrothrombosierungen. Sie können auch auftreten, wenn die Blutgruppen von Spender und Empfänger nicht übereinstimmen.
In der Biopsie findet man mit Hilfe einer Spezialfärbung einen besonderen Marker. Das so genannte C4d ist ein Abbauprodukt eines Eiweißes, das bei einer vaskulären Abstoßung in den kleinen Gefäßen vermehrt anfällt. Die Anfärbung der Transplantatbiopsie für C4d wird empfohlen, um die Diagnose einer vaskulären Abstoßung zu stellen [1].
Eine vaskuläre Abtoßung ist meist schwierig zu behandeln (Behandlung der vaskulären Abstoßung).
Man nimmt heute an, dass AngiotensinII Typ1-Rezeptor Antikörper (AT1-Antikörper) die Ursache für vaskuläre Abstoßungen sein können.
In neueren Untersuchungen konnten vaskuläre Abstoßungen bei Patienten nachgewiesen werden, die Antikörper gegen den Angiotensin II Typ 1-Rezeptor im Blut aufwiesen. Diese Patienten zeigten in der Nierenbiopsie das Bild einer vaskulären Abstossung, hatten jedoch keine klassischen Antikörper gegen HLA-Oberflächen-Antigene (Eiweißmolküle auf der Spenderniere), sondern AT1-Antikörper. Diese könnten bei der Entstehung der Abstoßung eine ursächliche Bedeutung haben [3].