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Verzögerter Funktionsbeginn

Wichtig!

Wenn die Transplantatniere in den ersten Tagen ihre Funktion noch nicht aufnimmt, ist meist ein sogenannter "Verpflanzungsschock" die Ursache. Diese Komplikation ist durch unterstützende Dialyse gut behandelbar.

Bei 20-30% der Patienten zeigt die frisch transplantierte Niere in den ersten Tagen noch keine oder nur geringe Funktion. Dieses als DGF (engl.: delayed graft function) bezeichnete Phänomen ist jedoch völlig normal.

Die häufigste Ursache für diese ausbleibende sofortige Funktionsaufnahme ist der "Verpflanzungsschock" (akute ischämische Tubulusnekrose). In dieser Zeit, die mehrere Tage bis Wochen dauern kann, ist unterstützende Dialyse notwendig.

Trotz eines verzögerten Funktionsbeginns des Transplantats kann die Langzeitprognose sehr gut sein: Über 90% der transplantierten Patienten haben bei Klinikentlassung ein funktionsfähiges Organ. Nur in sehr seltenen Fällen nimmt die neue Niere ihre Funktion überhaupt nicht auf. Gründe hierfür können eine schwere Durchblutungsstörung oder eine nicht beherrschbare Abstoßung sein.

Ursachen für einen verzögerten Funktionsbeginn

Die Ursachen für einen verzögerten Beginn der Transplantatsfunktion können vielfältig sein. Häufiger Grund ist der "Verpflanzungsschock", bei dem es zu einer Schädigung der kleinen Nierenkanälchen kommt. Auch ein Flüssigkeitsmangel kann Ursache sein. Gefäßverschlüsse in der Vene oder Arterie z.B. im Bereich der Nahtstelle sind seltene Probleme, die allerdings sofortiges chirurgisches Handeln des Arztes erfordern. In sehr seltenen Fällen können auch eine hyperakute Abstoßung oder Probleme im Bereich des Harnleiters (Ureterobstruktion), ein Harnleiter-Leck oder ein Austritt des Urins nach innen in den Bauchraum (so genanntes Urinom) zu einer verzögerten Funktionsaufnahme führen. Schließlich können auch bestimmte Medikamente nierenschädigend wirken (Nephrotoxizität).

Wichtig!

Eine verzögerte Funktionsaufnahme kann aber auch viele andere Ursachen haben. Die häufigste, die akute Tubulusnekrose ("Verpflanzungsschock"), hängt von verschiedenen Faktoren sowohl auf der Spender- als auch auf der Empfängerseite ab.

Akute Tubulusschädigung (Akute Tubulusnekrose)

Die akute Tubulusschädigung (akute Tubulusnekrose, engl.: acute tubular necrosis = ATN) gehört zu den häufigsten Ursachen einer verzögerten Funktionsaufnahme des Transplantats. Das Auftreten dieses "Verpflanzungsschocks" mit Schädigung der Nierenkanälchen wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Zum einen spielen Empfängerfaktoren hier eine große Rolle, z. B. präoperative Dialyse, bestehende Gefäßarteriosklerose, Herzleistung oder Immunstatus. Zum anderen sind bestimmte Spenderfaktoren von entscheidender Bedeutung, wie z. B. Alter und Vorerkrankungen des Spenders sowie die Behandlung der Transplantatniere während der Zeit außerhalb des Körpers bei Präparation, Lagerung und Transport. Dieser Zeitraum wird auch als Ischämiezeit bezeichnet. Wie wichtig diese Ischämiezeit ist, wird im Vergleich zur Lebendspende deutlich: Bei einer Lebendspende ist die kalte Ischämiezeit sehr kurz (nur 1-2 Stunden im Vergleich zu ca. 15-20 Stunden bei einer postmortalen Transplantation). Eine verzögerte Funktionsaufnahme aufgrund eines akuten Verpflanzungsschocks ist bei der Lebendspende sehr ungewöhnlich. Hier nimmt die Niere in der Regel sofort nach der Transplantation ihre Funktion auf.

 

Wichtig!

Man geht davon aus, dass die akute Tubulusnekrose keine negativen Auswirkungen auf das Langzeitüberleben hat, da diese Komplikation nicht mit einer akuten Abstoßung einhergeht.

Erfolgsaussichten und prognostische Bedeutung einer akuten Tubulusnekrose

Eine wichtige Frage ist, ob ein verzögerter Funktionsbeginn in der Anfangsphase zu einem schlechteren Transplantatüberleben im Langzeitverlauf führt. Grundsätzlich ist der Verpflanzungsschock reversibel. Hier sind die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen allerdings widersprüchlich. Von besonderer prognostischer Bedeutung scheint zu sein, dass die Transplantatniere mit einer akuten Tubulusnekrose nicht zusätzlich durch eine akute Abstoßung geschädigt wird. Es gibt eine Reihe von Hinweisen, dass ohne eine solche zusätzliche Schädigung der Niere durch immunologische Faktoren das Langzeitüberleben vergleichbar ist mit Nieren, die ihre Funktion sofort aufnehmen.

 

 

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