Die simultane Pankreas-Nierentransplantation ist für einen jungen Patienten mit Typ I Diabetes mellitus und einer präterminalen oder terminalen Niereninsuffizienz das empfohlene Therapieverfahren der Wahl. Diese Empfehlung beruht auf einer retrospektiven Datenanalyse (rückblickende systematische Auswertung) der Ergebnisse der Pankreas-Nierentransplantation in den USA und den Ergebnissen von einzelnen Transplantationszentren sowie Studien in Europa [4] [5]. Die größte Untersuchung über einen Zeitraum von 10 Nachbeobachtungsjahren zeigt für die Gruppe der 21- bis 45-jährigen Patienten ein nahezu identisches Patientenüberleben im Vergleich zu der Gruppe der allein Nierentransplantierten ohne Diabetes mellitus [5]. Vergleicht man die simultane Pankreas-Nierentransplantation mit der alleinigen Nierentransplantation beim Typ I Diabetiker (Alter bis 45 Jahre), so zeigt sich ein statistisch belegbarer Überlebensvorteil. Damit ist die simultane Pankreas-Nierentransplantation einer alleinigen Nierentransplantation vorzuziehen [1] [4] [5].
Wichtig ist die Frage, ob eine Pankreas-Nierentransplantation die diabetische Makroangiopathie (also das Auftreten von Schlaganfall, Herzinfarkt und peripheren Durchblutungsstörungen) positiv beeinflussen kann und das Fortschreiten dieser Erkrankungen oder das Auftreten verhindern kann. In einer Langzeitbeobachtung über 10 Jahre hatten Patienten nach einer Pankreas-Nierentransplantation weniger Schlaganfälle, Herzinfarkte und Amputationen im Vergleich zu Patienten nach einer Nierentransplantation [10]. Auch das Gesamtüberleben war in der Gruppe der kombiniert transplantierten Patienten besser [10]. Diese Langzeitergebnisse sind vielversprechend und zeigen, dass eine Abschwächung der Folgeschäden des Diabetes durch eine Pankreas-Nierentransplantation möglich ist.
Eine Reihe von Studien erbrachten positive Ergebnisse auf die diabetische Mikroangiopathie (betroffen sind hier vor allem die kleinen Gefäße verschiedener Organe, z.B. Auge, Niere und Nerven). Die Ergebnisse zeigen einen positiven Einfluss auf die sensible und autonome Neuropathie (mit Verbesserung der Herzfrequenzvariabilität) und einen positiven Effekt auf die Mikroangiopathie, gemessen mit Hilfe der Kapillarmikroskopie. Ein Einfluss auf die diabetische Retinopathie ist nicht hinreichend belegt. Hier finden sich widersprüchliche Ergebnisse in einigen Studien. Dennoch ist nach einer vor Jahren erfolgreich durchgeführten Pankreas-Nierentransplantation wahrscheinlich mit keiner weiteren Verschlechterung der Retinopathie zu rechnen.

Für junge Patienten mit einem Typ I Diabetes mellitus ist die kombinierte Pankreas-Nierentransplantation eine primäre Therapieoption (bevorzugte Behandlung der Wahl). Dies ist begründet in einem Überlebensvorteil im Vergleich zu Dialyseverfahren (Empfehlung Grad B: mittlere Evidenzstufe). Die Pankreas-Nierentransplantation sollte möglichst vor Beginn der Dialyse (präemptiv) durchgeführt werden (Empfehlung Grad B: mittlere Evidenzstufe). Alternativ sollte die Transplantation so früh wie möglich nach Beginn der Dialyseverfahren angestrebt werden (Empfehlung Grad B: mittlere Evidenzstufe).
Eine Abwägung der Vor- und Nachteile bei der Beurteilung der alleinigen Pankreastransplantation ist nach aktueller wissenschaftlicher Datenlage wesentlich schwieriger. Das höhere unmittelbare Operationsrisiko bei diesen Verfahren steht im Kontrast zu den möglichen langfristigen Vorteilen. Derzeit gibt es anhand der vorliegenden wissenschaftlichen Studien für die alleinige Pankreastransplantation keinen Beleg eines längeren Patientenüberlebens ("overall survival benefit") durch dieses Transplantationsverfahren. Das Risiko der Operation und der notwendigen Immunsuppression überwiegen im Vergleich zu den bislang statistisch messbaren langfristigen Überlebensvorteilen. Dennoch können bestimmte Patientengruppen möglicherweise von diesem Verfahren langfristig profitieren. Viele Faktoren beeinflussen die Gesamteinschätzung der alleinigen Pankreastransplantation. Besonders wichtig sind die Kriterien der Auswahl der Patienten durch genaue präoperative Untersuchungen (präoperatives Screening), das Vorhandensein von etablierten Operationstechniken und langfristiger Erfahrung in einem Transplantationsteam und eine qualitativ gute Vor- und Nachsorge der Patienten. In Zukunft sind weitere Studien notwendig, um herauszufinden, welche Gruppe von Patienten von einer alleinigen Pankreastransplantation am besten profitieren kann.
[1] Israni, A.K., et al. Am J Transplant 2005;5:374-382
[2] Meier-Kriesche H., Stegall M.D. Am J Transplant 2004;4:1935-1936.
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[4] Ojo A., et al. Transplant Proc. 2001;33:1670-2
[5] Becker, B.N., et al. Kidney Int 2000;57:2129-2135
[6] Burke GW., Transplantaton 1999;68:1336-1342.
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[8] Joseph J.T., Am J Kidney Dis 2003;42:431-45.
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[10] Biesenbach G. Transpl Int. 2005 Sep;18(9):1054-60
[11] Sureshkumar K.K. Am J Kidney Dis. 2002 Jun;39(6):1300-6.