In einer Untersuchung wurden insgesamt 321 Patienten nach einer Nierentransplantation im Hinblick auf das Auftreten urologischer Komplikationen analysiert. Bei 30 Patienten (9,3%) traten urologische Komplikationen auf. Diese Komplikationen wurden in zwei Gruppen unterteilt: eine Gruppe zeigte Probleme eines Harnverhalts (in 60,6% der Fälle). In der zweiten Gruppe kam es zu einem Urinaustritt über einen verletzten Harnleiter oder ein Blasenleck. Der überwiegende Teil der Patienten konnte mit einer Harnleiterschiene oder durch eine Neueinpflanzung des Hanleiters erfolgreich behandelt werden. Dennoch trat bei 20% ein früher Transplantatverlust auf. Nach einer erfolgreichen Therapie der urologischen Komplikation war jedoch das Langzeit-Transplantatüberleben vergleichbar mit dem von Patienten ohne urologische Komplikation. Krol, R. et al. Transplant Proc 2006 Jan-Feb;38(1):127-30.
Die Medikamente aus der Gruppe der Calcineurininhibitoren ("CNI" = Ciclosporin oder Tacrolimus) können wirksam eine Abstoßung nach einer Transplantation verhindern. Ein ungelöstes Problem ist jedoch, dass diese Medikamente als unerwünschte Nebenwirkung zu einer langfristigen Nierenschädigung (Nephrotoxizität) beitragen. In einer neuen Studie wurde ein "klassisches" Therapieregime mit einem Calcineurininhibitor (Ciclosporin + MMF + Cortsison) mit einem CNI-freien Behandlungsschema (Sirolimus + MMF+ Kortison) verglichen. In beiden Gruppen waren die Transplantatfunktion und die Abstoßungrate nach einem Jahr vergleichbar. Jedoch fanden sich bei der feingeweblichen Untersuchung in der Sirolimusgruppe weniger Schäden an den kleinen Nierengefäßen. [Larsen T.S., et al. Am J Transplant 2006 Mar;6(3):514-22.]
In einer retrospektiven Untersuchung an 2031 nierentransplantierten Patienten (offene Kohortenstudie) wurde das Patienten- und Transplantatüberleben mit und ohne bestimmte Medikamente zur Blutdrucksenkung (ACE-Hemmer/Angiotensin II Typ 1 Rezeptor-Blocker) verglichen. Insgesamt zeigte sich über einen Zeitraum von 10 Jahren ein besseres Patienten- und Transplantatüberleben, wenn die Patienten nach einer Transplantation mit dieser Gruppe von Medikamenten behandelt wurden. [Heinze G., et. al. J Am Soc Nephrol 2006 Feb 15; [Epub ahead of print]]
In einer retrospektiven Analyse wurden die Funktion und der klinische Verlauf von marginalen Spenderorganen untersucht. Marginale Spenderorgane bei der Nierentransplantation sind Organe, die nach Einschätzung einiger Transplantationszentren eine schlechtere Qualität aufweisen und daher von einigen Zentren abgelehnt werden, z.B. Organe:
Unklar ist, ob diese Organe wirklich einen schlechteren Langzeitverlauf zeigen. Die Untersuchung ergibt, dass die 5-Jahres-Überlebensrate dieser marginalen Spenderorgane statistisch nicht signifikant schlechter ist (88,2% versus 88,9% in der Kontrollgruppe). Jedoch zeigen diese Organe häufig eine verzögerte Funktionsaufnahme. Auch der Anteil eines primären Organversagens liegt höher. Dennoch ist der 5-Jahres-Langzeitverlauf bei diesen Organen zufriedenstellend. Nach Ansicht der Autoren ist daher die Verwendung von marginalen Organen in Zeiten des allgemeinen Organmangels eine vertretbare Option. Dahmane, D. et al. Kidney Int 2006 Jan 6; [Epub ahead of print].
Der Blutdruck nach der Nierentransplantation ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für langes Transplantatüberleben. Je höher der Blutdruck, desto kürzer ist die Überlebenszeit des Transplantats in einer statistischen Auswertung. Blutdruckmanagement im Langzeitverlauf nach Nierentransplantation ist entscheidend für ein langes Transplantatüberleben Opelz, G. et al. Am J Transplant 2005 Nov;5(11):2725-31.
In einer post-hoc-Analyse der ALERT-Studie wurde die Wirkung von Fluvastatin im Vergleich zu Plazebo auf die Häufigkeit schwerer kardiovaskulärer Ereignisse nach Nierentransplantation analysiert (Beobachtungszeitraum 5 Jahre). Wurde die Therapie innerhalb der ersten 4,5 Jahre nach Transplantation begonnen, konnte die Behandlung mit Fluvastatin das Risiko eines schweren kardialen Ereignisses (tödlicher und nicht-tödlicher Herzinfarkt) senken (in der Fluvastatin-Gruppe um 59% niedriger als in der Plazebo-Gruppe, wenn innerhalb der ersten 2 Jahre die Behandlung begonnen wurde). Die frühzeitige Gabe von Fluvastatin nach einer Nierentransplantation hat einen schützenden Effekt vor schweren kardiovaskulären Ereignissen. Holdaas H. et al. NDT 2005 May;20(5):974-980 und Holdaas H et al. Am J Transplant 2005 Dec; 5(12):2929-36.
In einer Metaanalyse wurden die Ergebnisse von insgesamt 123 wissenschaftlichen Berichten und 30 klinischen Studien zum Thema Immunsuppression unter Ciclosporin oder Tacrolimus ausgewertet: Die Ergebnisse belegen eine bessere Kontrolle der akuten Abstoßung durch Tacrolimus im Verleich zu Ciclopsorin. So konnten bei 100 mit Tacrolimus behandelten Patienten 12 Abstoßungen verhindert werden. Allerdings ist die Häufigkeit für das Auftreten eines Diabetes mellitus unter Tacrolimus höher. Kein Unterschied besteht zwischen der Häufigkeit von Infektionen und Tumoren. Hier sind beide Medikamente vergleichbar [BMJ 2005 Oct 8;331(7520):810. Epub 2005 Sep 12].
In einer prospektiven multizentrischen Studie nach simultaner Pankreas-Nierentransplantation (Euro-SPK 001; Beobachtungszeitraum 3 Jahre) wurden die Patienten in zwei Behandlungsgruppen randomisiert: Die eine Gruppe erhielt als Basis der Dreifachtherapie Tacrolimus, die andere Gruppe wurde mit Ciclosporin behandelt. Untersucht wurden die chirurgischen Komplikationen in beiden Behandlungsgruppen (definiert als Notwendigkeit einer erneuten Bauchoperation = Relaparotomie innerhalb der ersten 3 Monate). Unter Therapie mit Tacrolimus traten weniger chirurgische Komplikationen auf: Die Häufigkeit einer Relaparotomie lag in der Tacrolimus-Gruppe bei 26% und in der Ciclosporin-Gruppe bei 46%. Das Transplantatüberleben nach 3 Jahren war nach einer frühen Relaparotomie reduziert (Transplantatniere von 95% auf 85% und Pankreas von 89% auf 61%). Steuerer W. et al. NDT 20 (Suppl 2):Sii54-Sii61.
Die ersten Ergebnisse der in den USA durchgeführten Leber- und Nierentransplantationen bei Patienten mit einer HIV-Infektion sind vielversprechend. Es zeichnet sich ab, dass die Erfolgsraten nach Nierentransplantation bei HIV-Infizierten und nicht HIV-Infizierten vergleichbar sind. Kumar, M.S., et al. Kidney Int 2005 Apr;67(4):1622-9.
Es gibt Hinweise, dass eine Gabe von Kalziumkanalblockern (Medikamente, die eigentlich zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt werden) vor der Transplantation (präoperativ) vor einer verzögerten Transplantatfunktionsaufnahme durch eine akute Tubulusnekrose teilweise schützen können.
Eine besonders intensive Immunsuppression nach einer Nierentransplantation wird mit Antikörpern durchgeführt. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Auswahl, die mithilfe gentechnologischer Methoden hergestellt werden. Eine neue Studie bei Kindern zeigt, dass das Medikament Thymoglobulin (Antithrombozyten-Globulin; vom Pferd) bei der Verhinderung akuter Abstoßungen wirksamer ist als Atgam (Antithrombozyten-Globulin; vom Kaninchen) Khositseth, S. et. al. Transplantation. 2005 Apr 27;79(8):958-63.