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Bestimmung der Nierenfunktion

Wie gut arbeiten die Nieren noch? Wie kann man die Nierenfunktion eines Patienten zuverlässig und genau bestimmen? Diese Fragen wurden intensiv erforscht, denn die Messung der Nierenfunktion ist nicht einfach. Verschiedene Messmethoden und Berechnungsverfahren wurden im Laufe der Zeit entwickelt. Hierzu zählen

  • einfache Bestimmung des Kreatinin im Blut des Patienten (Serum)
  • Urinsammelmethode mit Bestimmung der Kreatinin-Ausscheidung im 24h Sammelurin
  • Nuklearmedizinische Methoden mit Tracer-Substanzen, die über die Niere ausgeschieden werden (z.B. DTPA-Clearance)
  • Berechnung der Kreatinin-Clearance (nach Cockroft & Gault)
  • Berechnung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) nach MDRD (siehe auch www.nierenrechner.de/nierenrechner/GFR-Rechner.htm)
  • Bestimmung des Cystatin C

Weitere Informationen zur Funktionsweise der Niere im Flexicon.

Kreatinin

Wichtig!

Ein erhöhter Kreatininwert im Blut ist ein sicherer Hinweis auf eine eingeschränkte Nierenfunktion, da das Kreatinin im Normalfall nahezu vollständig von den Nierenkörperchen herausgefiltert wird. Dabei gibt die Kreatinin-Clearance an, wieviel Kreatinin die Niere in einer bestimmten Zeit aus dem Blut filtern kann. Die Rate ist abhängig von Alter, Geschlecht und Muskelmasse.

Der Kreatininwert wird im Blut (Serum) des Patienten ermittelt und gehört zu den wichtigsten Laborbestimmungen nach der Transplantation. Ein erhöhter Kreatininwert kann in einem bestimmten Bereich eine Funktionsverschlechterung der Transplantatniere im Verlauf anzeigen. Kreatinin ist ein Abbauprodukt von Kreatin und dient als Energiespeicher im Muskel. Der Kreatininspiegel im Blut ist daher auch abhängig von der Muskelmasse des Patienten. Frauen und Männer haben unterschiedliche Energiereserven im Muskel. Kreatinin wird nahezu vollständig über die Nierenkörperchen (Glomeruli) in den Harn abgepresst (filtriert). Bei eingeschränkter Nierenfunktion können die Glomeruli das Kreatinin nicht mehr ausreichend filtrieren, mit der Folge, dass es sich im Blut ansammelt. Die Normwerte für Kreatinin im Serum sind von der Methode abhängig (z.B. 0.5-1.0 mg/dl für Frauen; 0.5-1.2 mg/dl für Männer).

Erhöhte Kreatininwerte können bei allen Formen der Nierenschädigung auftreten. Andere Gründe für eine meist nur geringe Kreatininerhöhung sind hier aufgeführt.

Kreatinin-Clearance

Wichtig!

Parameter zur Berechnung der Kreatinin-Clearance.

Die Kreatinin-Clearance ist ein Maß für die glomeruläre Filtrationsrate (GFR). Sie beschreibt die Filterfunktion (oder das Klärvermögen) der Niere. Gemessen wird, wie schnell die Niere bestimmte harnpflichtige Substanzen aus dem Blut filtern bzw. entfernen kann. Bei der Kreatinin-Clearance wird bestimmt, wieviel Kreatinin (als ein stellvertretender Marker für andere "Giftstoffe") die Niere pro Zeiteinheit vom Blut in den Urin transportieren kann. Die Kreatinin-Clearance sinkt mit jeder Lebensdekade um einen relativ konstanten Wert (ca 5ml/min/1.73m2). Auch hier sind die Normwerte vom Alter und Geschlecht abhängig. Als Faustregel gilt: Ein siebzigjähriger Mann hat normalerweise eine Abnahme der GFR um ca. 25%.

 

Abhängigkeit der Kreatinin-Clearance vom Alter

(in ml/min/1.73m2)

Alter 

Frauen 

Männer 

20-29 

91 ± 19 

117 ± 23 

30-39  

96 ± 25  

98 ± 39 

40-49  

76 ± 26  

98 ± 22 

50-59  

74 ± 24  

88 ± 21 

60-69  

60 ± 15  

76 ± 22 

70-79  

49 ± 12  

64 ± 15 

80-89  

41 ± 14  

45 ± 15 

90-99  

34 ± 8  

35 ± 9 

 

Methode: Jaffé-Reaktion

Quelle: Kampmann et al., Acta medica Scandinavia, 196:517, 1974.

Clearance-Umrechnung

Einheit

Rechenoperation

Einheit

ml/min/1.73m2

/ 60         =   

ml/sek/1.73m2

ml/sek/1.73m2 

x 60         =   

ml/min/1.73m2

ml/min/1.73m2

/ 103.8     =   

ml/sek/m2IU

ml/sek/m2IU 

x 103.8     =   

ml/min/1.73m2

ml/sek/1.73m2 

/ 1.73       =   

ml/sek/m2IU

ml/sek/m2IU 

x 1.73       =   

ml/sek/1.73m2

Abschätzung der Nierenfunktion über Kreatinin-Clearance und GFR

Jede Bestimmung der Nierenfunktion hat Vor- und Nachteile sowie Ungenauigkeiten. In der klinischen Praxis muss das Verfahren zur Einschätzung der Nierenfunktion zuverlässig, genau und auch kostengünstig sein. In der Praxis hat sich die Abschätzung der Nierenfunktion über mathematische Formeln bewährt. Die am häufigsten eingesetzten Berechnungsformeln sind MDRD und Cockroft&Gault.

Mit Hilfe von bestimmten Formeln kann die Nierenfunktion errechnet werden. Abschätzung der Nierenfunktion nach Cockroft und Gault über die Berechnung der Kreatinin-Clearance anhand einer mathematischen Formel. Diese berücksichtigt:

  • Serum-Kreatinin
  • Alter des Patienten
  • Geschlecht (Korrektur mit einem Faktor)
  • Körpergewicht

 

Abschätzung der Nierenfunktion über die Berechnung der glomerulären Filtrationsrate (=GFR) mit Hilfe der MDRD-Formeln (in einer vereinfachten Form und der erweiterterten Formen; MDRD= engl.:modification of diet in renal disease). Zur Berechnung werden benötigt:

  • Serum-Harnstoff
  • Serum-Kreatinin
  • Serum-Albumin
  • Geschlecht
  • Alter
  • Rasse/Hautfarbe

Cockroft und Gault-Formel

MDRD-Formel

Wie lässt sich die Nierenfunktion einer Transplantatniere zuverlässig bestimmen?

Wichtig!

Heute kann man die Funktion der transplantierten Niere am genauesten mit Hilfe der MDRD 6 Formel bestimmen.

Alle genannten Methoden zur Bestimmung der Nierenfunktion sind ungenau und fehlerbehaftet. Früher erfolgte die Bestimmung der GFR anhand der Berechnung der Kreatininclearance aus dem 24-Stunden-Sammelurin. Die Urinsammelmethode ist jedoch aufwändig und ebenfalls fehlerbehaftet. Das Kreatinin im Serum des Patienten ist zwar einfach zu bestimmen, eignet sich jedoch nicht zur Früherkennung einer Funktionsverschlechterung: es ist ein ungenauer Marker, der diese erst verspätet erfasst.

Heute wird im klinischen Alltag auch bei transplantierten Patienten in der Regel die MDRD-Formel benutzt:  Diese Formel wurde zwar bei nierenkranken Patienten zur Abschätzung der GFR der Eigennieren und nicht der Transplantatnieren in einer Studie entwickelt und überprüft (MDRD-Studie = "Modification of Diet in Renal Diseases Study Group"). Dennoch zeigen neuere Untersuchungen, dass auch die Transplantatfunktion am exaktesten anhand der MDRD 6 Formel errechnet werden kann [1]. Nur noch aufwendigere nuklearmedizinische Untersuchungen (z.B. DTPA-Clearance) sind genauer. In der Praxis sollte der MDRD-Formel der Vorzug gegeben werden [1].

Cystatin C

Wichtig!

Schon ein leichter CystatinC- Anstieg deutet auf eine verringerte GFR hin. Da die Bildungsrate unabhängig von z.B. der Muskelmasse ist, ergeben sich genauere Berechnungen als bei der Bestimmung der Kreatinin-Clearance.

Cystatin C ist ein kleines Protein (ein so genannter Protease Inhibitor), das komplett glomerulär filtriert wird, tubulär reabsorbiert und katabolisiert. Cystatin C wird in fast allen Zellen gebildet. Cystatin C steigt bereits bei einer leichten Einschränkung der GFR an und wird daher als idealer Marker zur Abschätzung der GFR eingesetzt. Die Bildungsrate ist stabil und unabhängig von

  • Entzündungsprozessen (z.B. Akute-Phase-Reaktion)
  • Lebererkrankungen
  • Muskelmasse
  • Ernährungsgewohnheiten und Alter.

Bei transplantierten Patienten zeigen neuere Untersuchungen, dass Berechnungen auf der Grundlage der Cystatin C Bestimmung die Transplantatfunktion besser einschätzen als Berechnungen der Kreatinin-Clearance [2] [3].

Harnstoff

Wichtig!

Ein Anstieg der Harnstoff-Konzentration kann ein Hinweis auf eine Verschlechterung der Nierenfunktion sein.

Harnstoff wird hauptsächlich in der Leber als Endprodukt des Abbaus von Eiweißmolekülen gebildet und als Abfallprodukt durch die Nieren ausgeschieden. Ein Anstieg der Harnstoffkonzentration im Blut deutet in der Regel auf eine Verschlechterung der Nierenleistung hin. Harnstoff wird allerdings auch bei schlechter Durchblutung der Niere durch Herzschwäche, zusammen mit Natrium und Wasser, vermehrt ins Blut aufgenommen. Außerdem kann bei einer Blutung im Magen-Darm-Trakt die Harnstoffkonzentration durch die Verdauung der stark eiweißhaltigen Blutbestandteile ansteigen.

Quellen

[1] Poge U., et al. Am J Transplant 2005; 5:1306-1311.

[2] White C., et al.  J Am Soc Nephrol 2005 Dec;16(12):3763-70.

[3] Mendiluce A., et al. Transplant Proc 2005 Nov;37(9):3844-7.

Hilfe
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