Die Dialyse übernimmt die Entgiftungsfunktion der Niere. Bei der Hämodialyse wird das Blut außerhalb des Körpers gereinigt.
von Dr. med. J. Saupe
Das Standardverfahren und damit das am meisten angewandte Verfahren ist die Hämodialyse. Während der Hämodialyse werden vom Blut durch eine Membran, die überwiegend nur in eine Richtung durchlässig, also semipermeabel ist, kleinmolekulare Substanzen abgetrennt in eine keimarme, aufbereitete Lösung, das Dialysat. Diese Lösung wird durch Online – Zubereitung mittels Umkehrosmose im Dialysezentrum hergestellt und individuell angepasst. Die Abtrennung von Blutseite zur Dialysatseite geschieht über einen Konzentrationsunterschied. Abgetrennt oder aus dem Blut entfernt werden Giftstoffe (Stoffwechselabbauprodukte), Elektrolyte wie Kalium und Phosphat und harnpflichtige Substanzen. Große Moleküle wie Eiweiße und Blutzellen werden dabei zurückgehalten. Diese Membranen befinden sich im Dialysator.
Außerdem soll Flüssigkeit aus dem Körper entfernt werden. Hier ergibt sich wieder die Schwierigkeit, dass häufig viel überschüssige Flüssigkeit im Körper ist, aber nur wenig im Blut. Die Entfernung der Flüssigkeit aus dem Blut kann also sehr schnell funktionieren, aber das Nachströmen aus dem Körper in die Blutbahn dauert länger. Daher darf pro Stunde nicht zu viel Flüssigkeit aus dem Körper entfernt werden, weil sonst der Blutdruck zusammenbricht, und das kann durchaus gefährlich werden. Um zu erkennen, wie viel Wasserentzug möglich ist, gibt es bei neueren Maschinen Volumenmonitore, oft auch Krit- Line (kommt von Hämatokrit) genannt, die zu Ihrer Sicherheit und zur Sicherheit des Dialysepersonals dienen. Die maximale Entfernung des Wassers pro Stunde wird daher ärztlicherseits begrenzt. Wer also zuviel Flüssigkeit mitbringt, wird sie unter Umständen gar nicht in der vorgesehen Dialysezeit los. Damit wird eine zusätzliche Dialyse, meist am Folgetag notwendig. Mit Besonderen Tricks gelingt auch die etwas größere Wasserentfernung, z. B. mit der Bergström – Methode.
Wie viel Flüssigkeit dürfen Sie denn nun zur Dialyse mitbringen. Ausgehend vom so genannten Trockengewicht, auch Sollgewicht genannt, also dem Gewicht, bei dem der Wasserhaushalt im Körper normal ist, werden 4% akzeptiert. Darüber kann es auch für Sie schon gefährlich werden, wenn das Wasser in der Lunge sich ansammelt und kontinuierlich steigt. Ein Rechenbeispiel: bei einem Körpergewicht von 70kg sind 4% also maximal 2,8 kg, bei 100 kg maximal 4kg.
Wie können Sie grob kalkulieren, wie viel Ihnen an täglicher Flüssigkeitszufuhr verbleibt. Die Faustregel sagt Restausscheidung plus 500ml. Daher wird Ihnen auch von Ihrem Dialyseteam regelmäßig ein Gefäß mitgegeben, um die Urinmenge zu messen, die Sie in 24 Std. ausscheiden. Die Restausscheidung ist für Ihren Komfort, aber auch medizinisch von großer Bedeutung. Wenn sie erhalten ist und bleibt, sind damit das Problem der Trinkmengenbegrenzung und der Wasserentzug während der Dialyse einfacher zu lösen. Die Entgiftungsfunktion Ihrer Nieren ist dennoch allenfalls in geringem Maß vorhanden. Man kann diese Restfunktion erhalten, indem das Trockengewicht nicht extrem niedrig gewählt wird. Medikamentös kann eine so genannte Sequentialblockade des Tubulus in der Niere unterstützend durch eine Kombination von Medikamenten wirken: man kombiniert ein Schleifendiuretikum mit 25mg (Tagesdosis) Hydrochlorothiazid (HCT). Ja, leider steigt damit schon wieder die tägliche Tablettenzahl. Es ist aber ein guter Kompromiss.

Eine Blutwäsche ist dann notwendig, wenn beim Patienten die eigenen Nieren in ihrer Funktion versagen. Die Dialyse ersetzt die Nierenfunktion jedoch nur teilweise und arbeitet nicht mit gleicher Perfektion wie die natürlichen Nieren. Giftstoffe werden unterschiedlich gut aus dem Blut entfernt. Grundsätzlich gilt: Je größer die Giftstoffe sind, desto schlechter können sie durch die Hämodialyse ausgewaschen werden. Ob und wann eine Dialysebehandlung notwendig ist, wird anhand der Nierenwerte im Blut und anhand der klinischen Beschwerden des Patienten getroffen. Man unterscheidet:
Welches Verfahren im einzelnen für einen Patienten infrage kommt, wird von Arzt und Patient im individuellen Fall festgelegt und hängt von vielen Faktoren ab.
Bei der Hämofiltration wird über eine Pumpe ein Druckgradient (Transmembrandruck) aufgebaut, so dass dem Blut Flüssigkeit entzogen wird. Es bedarf also keiner Spüllösung (Dialysat). Im Gegensatz zur Hämodialyse wird keine Diffusion eingesetzt sonder Plasmaflüssigkeit über die Membran konvektiv entzogen. Dabei werden alle filtergängigen Stoffe entfernt. Dies ermöglicht eine langsame Entgiftung und bei Bedarf eine schnelle Volumenveränderung. Die entzogene Flüssigkeit wird durch eine Elektrolytlösung ersetzt.
Die Hämodiafiltration stellt eine Kombination aus Hämodialyse und Hämofiltration dar. Bei dieser Methode werden sowohl nieder- als auch mittelmolekulare Substanzen entfernt bei kontrolliertem Einsatz des Ultrafiltrats durch physiologische Elektrolytlösung (Diluat). Die Ersatzlösung wird entweder vor oder nach dem Dialysator dem Blut zugegeben und im Dialysator wieder entfernt (Ultrafiltration) Der transmembrane Fluss kann erhöht werden für eine effektivere Entfernung der Giftstoffe.