von Dr. med. J. Saupe
Was ist eine effektive Dialyse und wie wird die Effektivität gemessen?
Liebe Dialysepatientin, lieber Dialysepatient,
Sie kennen sich schon bestens mit dem Behandlungsverfahren der Hämodialysebehandlung aus. Aber gerade während der ärztlichen Visiten werden immer wieder Veränderungen im Dialyseregime oder bei der begleitenden Medikation vorgenommen, deren Bedeutung Ihnen nicht immer so richtig erklärt wird. Diese Informationen sollen Ihnen beim Verstehen der ärztlichen Vorschläge helfen, den tieferen Sinn solcher Entscheidungen zu verstehen. Sie können dann auch besser damit umgehen und gezielter fragen. Manch eine Entscheidung, die Ihnen hart vorkommt, wird so vielleicht etwas leichter akzeptabel. Gemeinsam werden wir dann die für Sie beste Lösung finden.
Was ist eine ausreichende, sprich effektive Dialysebehandlung?
Die Dialyse soll die körpereigene Nierenfunktion ersetzen. Ihre eigenen Nieren schaffen das im gesunden Zustand 24 Stunden am Tag und das immer. Die Dialyse soll diese Leistung in der Regel 3x pro Woche schaffen, wenn die eigenen Nieren ihren Dienst weitestgehend versagen. Da die Leistung der Maschine von vorne herein den eigenen Nieren unterlegen ist, merken Sie schon, dass wir einen Kompromiss eingehen, damit Ihnen auch noch Zeit ohne Maschine verbleibt. Wenn dieser Kompromiss aber dazu führt, dass Sie unterdialysiert werden, soll heißen, dass zu viele dialysepflichtige Substanzen in Ihrem Körper verbleiben, dann schaden Sie sich und Sie fühlen sich krank, müde und letztlich wird auch Ihre Lebenszeit verkürzt. Das wollen wir vermeiden.
Und noch etwas, die Ärztinnen, Ärzte, Dialyseschwestern und Dialysepfleger müssen anonymisiert Ihre Daten an die Kassenärztliche Vereinigung mitteilen, eine Auflage Ihrer Krankenkasse. Auf diese Weise soll garantiert werden, dass Sie für Ihre Beiträge auch ausreichend auf einem durch zahlreiche Untersuchungen untermauertem Qualitätsstandard behandelt werden. Darauf haben Sie einen Anspruch und wir wollen diese Qualität halten oder sogar am besten noch verbessern.
Wie messen wir nun, ob Sie ausreichend dialysiert sind? Über das Labor kennen Sie unter anderen folgende Werte, die wir Ihnen erläutern wollen:
Kt/V ist ein Wert, um die Dialyseeffektivität zu bestimmen und ein wesentlicher Bestandteil zur Beurteilung der Dialyseeffizienz.
Dabei ist:
Frank Gotch und John Sargent haben diesen Messparameter entwickelt. Damit ist es möglich geworden, die Dialysedosis zu messen und die Effizienz zu bewerten. Als Mindestwert bei der Hämodialyse wird ein Kt/V von 1,3 angestrebt; in der Peritonealdialyse ist das Ziel 2,0 pro Woche. An besseren Messgrößen zur Bestimmung der Dialysedosis wird derzeit weltweit gearbeitet, aber noch sind wir gegenüber den Krankenkassen in der Bringschuld.
Wie kann dieser Wert erreicht werden über:
· Mindestens 3 Dialysen pro Woche
· Anheben der Dialysezeit auf mindestens 4 Stunden, ggf. auch mehr
· Erhöhung des Dialyseflusses (QB) auf möglichst 330 ml/Minute
· Auch die Auswahl des Dialysators kann eine Rolle spielen
Für eine normale Dialyse über zwei Nadeln soll am Ende der Behandlung 80 Liter und bei einer Nadel oder Katheter 50 Liter dialysiert sein. Das haben umfangreiche Studien als gute Entgiftung ergeben. Sie sehen aber auch hier schon, dass die Dialyse über 2 Nadeln, also über einen gut funktionstüchtigen Shunt wesentlich effektiver verläuft als über eine Nadel oder Katheter.
Fragen Sie einmal Ihre Pflegekraft am Ende der Dialyse nach den Litern, die dialysiert wurden: Habe ich die 80 Liter (50 Liter bei 1 Nadel) geschafft?
Dieser Wert wird durch einen hohen Fluss (QB) und eine entsprechend lange Dialysezeit erreicht. Es gibt Zentren, die die Dialyse erst dann beenden, wenn diese Werte erreicht wurden.
Wir können einmal ein Beispiel durchrechnen:
bei 4 Stunden Dialysezeit und einem Fluss von 333ml/Minute filtrieren Sie 19980 ml/Stunde und 79920 ml/ 4Stunden= 79,920 Liter / 4 Stunden, also die vom Qualitätsmanagement geforderten ca. 80 Liter /Dialysebehandlung in 4 Stunden.
Wenn Sie das mit einem Fluss von 200ml/Minute durchrechnen, kommen Sie auf nur 48 Liter/4Stunden Dialyse und wenn Sie jetzt noch die Zeit auf 3 Stunden verkürzen auf 36 Liter/Dialysebehandlung. Sie können das mal auf die Woche umrechnen mit 2 oder 3 Sitzungen und dann vielleicht auf einen ganzen Monat oder auf ein ganzes Jahr. Dann wird sehr schnell deutlich, dass die Dialysequalität ganz wesentlich von der Dialysezeit und vom Fluss abhängt.
Eine gute Dialysequalität ist Ihre Investition in Ihre Gesundheit und in Ihre Lebenserwartung.
Harnstoff wird im Protein- und Aminosäure - Stoffwechsel gebildet und gehört zu den harnpflichtigen Substanzen. Eine hohe Proteinzufuhr führt auch schon bei normaler Nierenfunktion zu erhöhten Harnstoffwerten, was ihn zu einem schlechten Nierenparameter macht. Harnstoff wird Lebensmitteln als Stabilisator zugesetzt. In der EU ist er als Lebensmittelzusatzstoff mit der Bezeichnung E 927b ausschließlich für Kaugummi ohne Zuckerzusatz zugelassen. Da Harnstoff in den Nieren aus dem Blut filtriert wird, ist er ein Parameter zur Beurteilung der Nierenfunktion. Allerdings kommt es erst bei einer Funktionseinschränkung von 50 bis 70 Prozent zu einem Anstieg des Harnstoffs im Blut. Außerdem ist der Harnstoffspiegel im Blut auch bei gesteigertem Eiweißabbau erhöht. Früher war auch die Bestimmung des Blut-Harnstoff-Stickstoffs (Harnstoff-N) üblich, auch mit BUN (blood urea nitrogen) bezeichnet. Als Berechnungsgrundlage für Harnstoff gilt die Formel:
Harnstoff-N (mg/dl) x 2,14 = Harnstoff (mg/dl).
Harnstoff wird oft routinemäßig bei Blutuntersuchungen bestimmt. Speziell dient der Harnstoff zur Diagnose und Verlaufskontrolle eines Nierenversagens (Niereninsuffizienz) und der Kontrolle der Eiweißzufuhr bei Funktionsstörungen der Nieren.
Harnstoff wird aus dem Blutserum und selten im Urin (24-Stunden-Sammelurin) bestimmt.
Niedrigere Harnstoff-Werte können in folgenden Fällen auftreten:
Haben die Ursachen für den erhöhten Harnstoff-Wert nichts mit der Funktionsfähigkeit der Niere selbst zu tun, spricht der Arzt von prärenaler, also der Niere vorgelegener Ursache.
Ursachen, die die Funktionsfähigkeit der Niere betreffen, sind:
Eigentlich wird Phosphat ganz gut mit der Dialyse entfernt. Das Problem ist nur, dass der Phosphatgehalt im Blut mit nur 0,02% des Gesamtphosphatgehaltes des Körpers sehr gering ist. Wenn jetzt Phosphat über die Dialysemembran entfernt wird, muss genug in das Blutplasma nachströmen, damit weiteres Phosphat entfernt wird. Das dauert aber so lange, dass eigentlich nur in den ersten 90 Minuten der Dialysezeit der Konzentrationsgradient so hoch ist, dass das Gefälle von Blutseite zu Wasser- (Dialysat-) seite hoch genug ist, um Phosphat über die Membran zu bringen. Bei einer sehr langen Dialysezeit wie das bei der Nachtdialyse mit ca. 8 Stunden der Fall ist, steigt natürlich die Phosphatentfernung aus dem Körper wieder an und erklärt so die effektivere Nachtdialyse.
Wenn der Phosphatspiegel im Blut ansteigt und dabei immer nur 0,02% des Gesamtkörperphopsphates widerspiegelt, können Sie sich vorstellen, wie viel Phosphat dann im Körper vorhanden sein muss. Hohe Phosphatspiegel sind statistisch mit einer niedrigeren Lebenserwartung verbunden. Es ist daher sinnvoll, die Phopshatspiegel sehr niedrig zu halten. Deshalb werde Ihnen oft große Mengen an Phosphatbindern verschrieben, die in ihrer Wirkung häufig nicht ausreichend sind und darüber hinaus auch noch unerwünschte Nebenwirkungen bescheren. Am meisten könnten Sie dazu beitragen, wenn Sie Lebensmittel mit hohem Phosphatgehalt (Käse, Wurstwaren) vermeiden. Das wollen wir aber gar nicht so streng handhaben. Das hat nämlich auch eine Kehrseite. Da Phosphat in Eiweiß enthalten ist und eine hohe Eiweißzufuhr erwünscht ist, können Sie eigentlich nur dort Phosphat sparen wo der Nährwert sehr gering ist. Dazu gehören z. B. alkoholfreies Bier, Weizenbier, Colagetränke aber auch Limonaden wie Fanta.
Seien Sie uns daher nicht böse, wenn wir demnächst stark phosphathaltige Getränke während der Dialyse nicht mehr anbieten !! Wir wollen auch nicht, dass es dann wieder heißt, „die sparen ja nur an uns“. Richtig ist, wir wollen am Phosphat sparen.
Wir arbeiten aber daran, einen eiweißhaltigen Snack mit niedrigem Phosphatgehalt herzustellen. Stellen Sie sich am besten um auf Tee oder Kaffee oder Wasser als Getränk. Es tut Ihnen gut.
Hier wird es etwas kompliziert. Generell gleichen die Nieren den Säuregrad des Blutes aus. Wenn das nicht mehr klappt, wird das Blut zu sauer. Die Dialyse gleicht das aus.